Zeitung Heute : Auf einer Wellenlänge

Der richtige Anwalt sollte fachlich fit sein – aber auch einen guten Draht zum Mandanten haben.

Doppelt hält besser: Detektiv Matula und Anwalt Renz aus „Ein Fall für zwei“. Wer einem komplizierten Rechtsstreit entgegensieht, sollte das Motto auch beherzigen und ruhig zwei Anwälte vergleichen. Foto: Jörg Schmitt/p-a/dpa
Doppelt hält besser: Detektiv Matula und Anwalt Renz aus „Ein Fall für zwei“. Wer einem komplizierten Rechtsstreit entgegensieht,...Foto: picture-alliance/ dpa

Renz und Matula, die zwei für alle Fälle, Knuddel-Anwalt „Liebling Kreuzberg“ oder die leicht zerstreute Ally McBeal aus der gleichnamigen US-Serie: Fernsehanwälte gibt es in allen Varianten. Doch wer im wahren Leben einen Rechtsbeistand sucht, merkt schnell: Hier kommt es auf andere Qualitäten an.

Eine Empfehlung von Freunden oder Verwandten ist Gold wert – hat man dabei doch die Gewähr, dass andere mit ihrer Wahl zufrieden waren. Aber auch die Suche in den Gelben Seiten oder einer der zahlreichen Anwaltsdatenbanken im Internet (siehe Kasten) führen schnell zum Erfolg. Gerade hier erwartet den Ratsuchenden allerdings eine nahezu unübersehbare Auswahl an Experten, vor allem in einer Großstadt wie Berlin.

„Einerseits kommt es natürlich auf fachliche Qualitäten an“, sagt Christian Christiani, Geschäftsführer des Berliner Anwaltsvereins. Hier könnten Fachanwaltstitel einen Anhaltspunkt bieten, ob der Betreffende in einem bestimmten Rechtsgebiet Kenntnisse und Erfahrungen mitbringt. „Ebenso wichtig ist aber eine gute Vertrauensgrundlage. Anwalt und Mandant sollten auf einer Wellenlänge liegen.“

Volles Risiko oder eher auf Sicherheit bedacht, Konfrontation um jeden Preis oder Kompromissbereitschaft, wo sie angebracht erscheint: „Im ersten Gespräch merken Mandanten schnell, ob sie und der Anwalt dieselbe Sprache sprechen“, sagt Christiani. Ist das der Fall, können auch der Generalist um die Ecke oder der jahrelange Vertrauensanwalt der Familie die beste Wahl sein.

„Nicht immer kann man als Laie einschätzen, welche Rechtsgebiete ein Fall tangiert“, ergänzt Benno Schick, Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Berlin. Bei der Suche auf den Internetseiten der Kammer kann man daher nicht nur Schlagworte wie Familien- , Erb- oder Baurecht eingeben, sondern auch Begriffe wie Schlichtung, Stalking oder Unternehmensnachfolge. Ausgespuckt werden dann Juristen, die das Thema als Spezialisierung angegeben haben.

Wer absehen kann, dass ein größerer Rechtsstreit ihn mehrere Jahre beschäftigen wird, sollte laut Christiani überlegen, zwei Anwälte aufzusuchen und zu vergleichen. Eine Erstberatung kostet höchstens 190 Euro.

Im Internet bieten immer mehr Beratungsportale schnelle Lösungen für kleines Geld. Ab 39 Euro wird man hier anwaltlich „verarztet“ – nicht immer mit dem gewünschten Ergebnis, wie kürzlich ein Test des Verbrauchermagazins „Wiso“ zeigte. Anwalt Christiani sieht das Problem vor allem darin, dass bei der Onlineberatung weder Nachfragen noch eine Überprüfung des Sachverhalts, etwa durch Einsicht in Verträge oder Korrespondenz, möglich seien. Für ihn können die Kollegen aus dem Netz allenfalls in einfachen Fällen helfen. In allen anderen Angelegenheiten sollte man den „Anwalt zum Anfassen“ vorziehen.

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