Zeitung Heute : Auf Glas gebaut

Für spektakuläre Lösungen mit gebogenem Glas ist die Spandauer Firma Döring von Architekten und Bauherren weltweit gefragt – ob am Grand Canyon oder im Berliner Dom-Aquaree

Rainer W. During
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Wenn es um Spezialglas für architektonische Highlights rund um den Globus geht, ist die Glasbiegerei Döring in Staaken die erste Adresse. Ob beim Spencer Dock Convention Center in Dublin, dem „Hoch Zwei“-Gebäude in Wien, der dem Reichstag nachempfundenen Kuppel des Präsidentenpalastes im georgischen Tiflis, dem spektakulären „Skywalk“ 1200 Meter über dem Grand Canyon in Arizona oder demnächst in Australien – überall sind die gebogenen Scheiben aus Berlin im Spiel.

Der Umsatz liegt derzeit vier Prozent über Plan, so der Geschäftsführer des Traditionsbetriebes, Detlef Buchwald. „Nie die Qualität vernachlässigen, auch wenn man die Preise dem Wettbewerb anpassen muss“, lautet sein Erfolgsrezept. Besonders stolz ist Buchwald, wenn Kunden, die sich zunächst auf die Versprechungen billigerer Konkurrenten verlassen hatten, bei ihm anklopfen und um Schadensbegrenzung bitten. Dennoch lässt ihn die innere Unruhe nicht los. „Wir sind nie richtig zufrieden weil wir immer wissen, es geht noch besser.“

An den globalen Erfolg hatte Franz Döhring nicht gedacht, als er seinen Betrieb 1934 in Berlin gründete. 1951 leistete der Glasermeister Pionierarbeit, als er einen der ersten elektrischen Glasbiegeöfen der Welt beschaffte. „Die haben bis zur Verzweiflung geübt“, weiß Buchwald. Denn Glas ist ein ebenso harter wie empfindlicher Werkstoff, der bei Temperaturunterschieden ab 40 Grad zerreißt und deshalb ebenso langsam wie gleichmäßig erwärmt und abgekühlt werden muss.

Dörings erster großer Auftrag war das Glas für die Kandelaber am Kaiserdamm. 1974 zog sich der Gründer zurück und übergab die Firma seiner Tochter, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann führte. 1988 kam Detlef Buchwald, der zuvor Vorstand einer Taxigenossenschaft war, als kaufmännischer Leiter ins Unternehmen. „Damals hatte ich von Glas null Ahnung, mich haben die Technik und das Produkt fasziniert“, sagt der 66jährige „Berliner aus Überzeugung“. Buchwald steckte seine Nase in alle Ecken des Betriebes und stieg mit Leib und Seele in die Materie ein. Heute ist er ein weltweit anerkannter Experte und kann wenn nötig selbst jeden Ofen in der Produktion bedienen. Doch das Entscheidende ist das „tolle Team“ sagt der Geschäftsführer. „Wir alle sind die Firma Döring, denn was ist ein Betrieb ohne die Mitarbeiter.“ Die sind hochmotiviert und lassen sich nicht lange bitten, wenn einmal Überstunden erforderlich sind, um einen Termin zu halten.

1994 wurde der Familienbetrieb an den weltweit tätige Saint-Gobain-Gruppe verkauft, ein Jahr später wurde Detlef Buchwald zum Geschäftsführer des Berliner Betriebes. Das Mitte der 70er Jahre zaghaft begonnene Exportgeschäft wurde erheblich ausgeweitet. 2003 erfolgte der Umzug in den Staakener Zeppelin-Gewerbepark. „Berlin ist ein großartiger Standort, wir planen eine deutliche Erweiterung“, sagt Buchwald. Gerade wurde eine zweite Produktionshalle fertiggestellt, in der ein Biegeofen für Einscheiben-Sicherheitsglas für die Angebotspalette ergänzt.

Acht neue Mitarbeiter wurden im vergangenen Jahr eingestellt, bis 2011 soll die Belegschaft von derzeit 35 auf 45 Beschäftigte wachsen. Dann visiert man den Bau der nächsten Fertigungshalle an. Im mehr als 200 000 Mitarbeiter zählenden Saint-Gobain-Konzern gilt die kleine Firma Döring als weltweit renommiertes Kompetenzzentrum für gebogenes Glas als Vorzeigebetrieb.

Fast 20 000 Quadratmeter gebogenes Glas verlassen jährlich den Betrieb und werden in aller Herren Länder transportiert. Aber auch in der Heimatstadt kann man die Leistungsfähigkeit begutachten, unter anderem am Dom-Aquaree, an der Upper Eastside und am Spreedreieck. Absolutes Highlight der Referenzliste ist aber die gläserne Brüstung des in 1200 Metern Höhe über den Grand Canyon hinaus gebauten „Skywalk“, der 2007 eröffnet wurde. „So eine tolle Sache wird es nur einmal geben“, sagt Detlef Buchwald. Selbst hat er noch nicht auf der Plattform gestanden. Eine Reise nach Arizona hat er schon lange geplant, aber immer wieder verschoben. Bald hat er mehr Zeit. In diesem Monat beginnt der Geschäftsführer damit, seinen Nachfolger einzuarbeiten. Mit seinem Fachwissen wird er der Firma aber auch künftig zur Seite stehen.

www.doeringglas.de

Unser beeindruckendstes Produkt ist die gläserne Brüstung des „Skywalk“, der in 1200 Metern Höhe über den Grand Canyon

hinaus gebaut und 2007 eröffnet wurde. So eine tolle Sache gibt es

nur einmal.“

Detlef Buchwald, Geschäftsführer der Glasbiegerei Döring, Spandau

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