Zeitung Heute : Auf ihren Kanälen

Der Tagesspiegel

Von Matthias Thibaut, London und Thomas Migge, Rom

Wird Silvio Berlusconi bei Kirch miteinsteigen, vielleicht zusammen mit Rupert Murdoch? Bekannt ist immerhin, dass er sich seit einiger Zeit erstaunlich oft mit Murdoch trifft. Was die beiden Tycoone miteinander verhandeln ist top secret, aber in Mailänder Geschäftskreisen gilt es als sicher, dass sie an Kirchs Medienimperium interessiert sind. Offiziell schweigt man in der Familie Berlusconi. Doch schaut man sich die unternehmerische Vielfalt Berlusconis und Murdochs an, ist nicht auszuschließen, dass beide in Deutschland verstärkt mitmischen wollen.

Auf der Reichenliste von Forbes wird Rupert Murdoch mit einem geschätzten Vermö gen von 5,7 Milliarden Dollar auf Platz 45 geführt – weit hinter Spitzenreitern wie Bill Gates oder den Aldibesitzern Karl und Theodor Albrecht. Aber Murdoch geht es nicht ums Geld. Als Spielertyp lockt ihn Einfluss und Risiko. Wie eine Spinne sitzt er im weltweit gespannten Netz seiner Medienunternehmen und Firmenbeteiligungen, deren sichtbarer Teil in der australischen „News Corporation“ zusammengefasst ist. Nach eigener Darstellung ist die Holding das „einzige, vertikal integrierte Medienunternehmen der Welt mit globaler Reichweite“. Das heißt, dass Murdoch von der Filmproduktion über die Rechteverwertung bis zur Übertragungstechnik alles selber machen kann.

Die Dutzende von TV-Sendern und Kabelgesellschaften der News Corp. erreichen 75 Prozent der Weltbevölkerung. Dazu gehören die Fox Gruppe mit Filmstudios und TV-Kanälen in den USA, Canal Fox und Sky Latina in Südamerika, die BSkyB Gruppe im Vereinigten Kö nigreich (36 Prozent Anteil), die News Broadcasting Japan und der Hoffnungsträger Murdochs für die Eroberung Chinas, Star TV . Im Pay TV spielt Murdoch Filme ab, die „Fox Filmed Entertainment“ gedreht hat. Die News Channels helfen sich mit Bildern, seine Kabelnetze besorgen den Vertrieb.

News Corp. kontrolliert ein dichtes Netz nationaler und regionaler Zeitungen und Magazine in Australien und Neuseeland, die „New York Post“ und fast 40 Prozent des britischen Zeitungsmarkts mit der „Times“, der „SUN“ und der „News of the World“. Die Verlagsgruppe Harper Collins gehört zu seinem Imperium und Unternehmen wie NDS und Gemstar, die Kodierungssoftware und Programme für Digitalfernsehen machen.

1995 bis 1999, rechneten Zeitungen aus, bezahlten die News Corp. und ihre Töchter nur 325 Millionen australische Dollar Unternehmenssteuer – nur sechs Prozent des ausgewiesenen Vorsteuergewinns. Immer wieder machte Murdoch durch aggressives Marketing von sich reden. 1999 befasste sich das Unterhaus mit den Kampfpreisen der „Times“. Vor zwei Jahren begann er, die Sky Digibox zu verschenken. Jetzt verklagte der französische Pay TV Sender „ Canal Plus“ Murdochs Kodierungsunternehmen NDS auf drei Milliarden Dollar Schadenersatz: NDS soll die Zugangscodes geknackt und übers Internet zugänglich gemacht haben.

Am liebsten greift Murdoch verkrustete, scheinbar uneinnehmbare Interessenstrukturen an. In den 80er Jahren die Londoner Fleet Street, dann mit der Gründung von Sky TV das gemütliche öffentlich-rechtliche Fernsehduopol von BBC und ITV in Großbritannien. In den 90er Jahren die Allmacht der US-Networks mit Fox TV. Aber sein Ruf macht es ihm vor allem in Europa schwer. Versuche, ins italienische Pay TV einzusteigen wurden abgeblockt. Die geplante Fusion von BSkyB und Canal Plus wurde von der EU-Kommission abgewunken. Zur Zeit bastelt die Labourregierung an Gesetzen, die Murdoch den Griff aufs terrestrische Digital TV verweigern sollen.

Berlusconi dagegen ist nicht nur ein Medienzar, der italienische Ministerpräsident mischt in vielen Wirtschaftsbereichen mit. Die Familie Berlusconi besitzt zwar 48,25 Prozent am Medienkonzern „Mediaset“, aber dieser Geschäftsbereich ist nur ein Teil der Businessinteressen des umtriebigen Spitzenpolitikers. Zur Mediaset gehören die Verlage „ Einaudi“ und „Sperling & Kupfer“. Auch Italiens größter Buch- und Zeitschriftenverlag „Mondadori“ ist in den Händen der Berlusconis. Teil dieses Verlagsgiganten ist auch die Tageszeitung „Il Giornale“ sowie das viel gelesene Wochenmagazin „Panorama“. Insgesamt drei Fernsehsender nennt Berlusconi sein Eigen. Zu 49 Prozent ist er am spanischen „Telecinco“ beteiligt. Mit 50 Prozent ist er bei Kirchs „Epsilon“ beteiligt, zusammen mit seinem Bruder Paolo.

Im Baugeschäft mischt die Familie ebenfalls mit. Mit 51,42 Prozent gehört ihr das Bauunternehmen „Edilnord“, eines der größten Italiens. Die Videoverleihkette „Blockbuster“ wurde von den Berlusconis zu 51 Prozent aufgekauft. Die Filmgesellschaft „Medusa Cinema“ besitzt man zu 100 Prozent und die „Medusa Film“ zu 93 Prozent. Bei der Versicherungsgesellschaft „Mediolanum“ ist man mit immerhin 35, 16 Prozent beteiligt und die „Pagine Utile“, eine Art gelbe Seiten, sind vollständig Eigentum der Familie Berlusconi.

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