Zeitung Heute : Auf jeder zweiten Seite ein Plagiat

„Guttenplag Wiki“ legt heute Zwischenbericht zur Doktorarbeit vor / Zöllner für mehr „Zitationskontrolle“

Unter Druck. Guttenberg. Foto: dapd
Unter Druck. Guttenberg. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Die Kritik an Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) reißt nicht ab. Die Opposition will klären lassen, ob er in der Plagiatsaffäre sein Amt missbraucht hat. Laut „Spiegel“ hatte der CSU-Politiker 2004 beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages eine Ausarbeitung in Auftrag gegeben und das zehnseitige Papier fast unverändert in seine Doktorarbeit übernommen. Guttenberg wird zur Last gelegt, zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit aus Werken anderer Autoren kopiert zu haben. CSU-Chef Horst Seehofer bestätigte am Sonntag indirekt, dass Guttenberg einen Rücktritt erwogen hatte. Er habe „rechtzeitig“ mit Guttenberg gesprochen und „ihm geraten durchzuhalten“, sagte Seehofer der „Süddeutschen Zeitung“.

Auf der Internetseite „Guttenplag“ haben hunderte Freiwillige inzwischen auf 270 Seiten der Doktorarbeit Plagiate gefunden. Die Initiatoren wollen an diesem Montag einen Zwischenbericht auf ihre Website stellen. „Die Überprüfung dieser Textstellen ist sehr aufwändig“, sagte der Betreiber. Rund 30 Freiwillige beschäftigten sich intensiv mit der Kontrolle, sagte der Sprecher, der als Doktorand an einer deutschen Hochschule namentlich nicht genannt will.

Als Konsequenz aus der Affäre forderte Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD), der auch Vorsitzender der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern ist, „mehr Selbstkontrolle“ in der Wissenschaft. Der Fall Guttenberg sei „kein Einzelfall, er ist nur besonders spektakulär“, erklärte Zöllner. Er will das Thema Qualitätssicherung in der Forschung auf die Tagesordnung der Wissenschaftskonferenz setzen. So sollte Fördergeld künftig mit der Auflage vergeben werden, stichprobenartig Zitationskontrollen durchzuführen. Tsp/dpa

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