Zeitung Heute : Auf Pump gelebt

Der Tagesspiegel

Regierungswechsel in Portugal Auch Musterschüler können einmal sitzenbleiben - oder sogar abstürzen. Portugal zum Beispiel, dieses kleine sympathische Land am südwestlichen Zipfel Europas. Alle Welt staunte Ende der 90er Jahre, wie die armen Portugiesen plötzlich stolz und selbstbewußt daherkamen, ihre Wirtschaft in Gang, den Haushalt in Ordnung brachten und mit diesem Aufbauwunder sogar locker in den Euro-Klub eintraten. Der Mann, der sich diesen Verdienst an die Brust heftete, hieß Antonio Guterres und war seit 1995 sozialistischer Regierungschef. Und man vergaß geflissentlich dabei, dass Guterres damals noch von jenen Wirtschaftsreformen zehrte, die sein konservativer Vorgänger Anibal Cavaco Silva anleierte. Nun bestätigt sich freilich, dass Portugals Aufstieg unter den Sozialisten zunehmend auf Pump finanziert worden war. Eine ernsthafte Buchprüfung des hochverschuldeten portugiesischen Haushaltes, hört man in Brüssel, würde enthüllen, dass dieses Land mit seinen zehn Millionen Einwohnern heute kaum noch die Euro-Kriterien erfüllt. Die Finanzlage, gibt selbst der den Sozialisten nahestehende Staatspräsident Jorge Sampaio zu, sei schlicht „dramatisch". Doch spätestens wenn Fehlentscheidungen am eigenen Leib und im Geldbeutel stechend wehtun, schlägt das Volk zurück. Der blasse konservative Sozialdemokrat Jose Manuel Durao Barroso gewann, weil Guterres Minderheitsregierung zu schwach für starke Reformen war. ze

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