Zeitung Heute : Auf Qualm reagieren sie empfindlich

Rauchmelder retten Leben – und sind daher in vielen Bundesländern Pflicht. Günstige Geräte gibt es ab zehn Euro

Runde Sache. Dennoch hat Berlin keine Rauchmelderpflicht für Privathaushalte. Entsprechend wenige (20 Prozent) haben sie laut Hauptstadt-Feuerwehr installiert. Mieter können die Geräte übrigens auch ohne Zustimmung des Vermieters nachrüsten. Foto: picture-alliance/dpa
Runde Sache. Dennoch hat Berlin keine Rauchmelderpflicht für Privathaushalte. Entsprechend wenige (20 Prozent) haben sie laut...Foto: picture-alliance/ dpa

Eine brennende Zigarette, eine umgekippte Kerze oder ein defektes Elektrogerät: Oft sind es kleine Unachtsamkeiten oder technische Fehler, die schwerwiegende Folgen haben. 8000 Brände löschte die Berliner Feuerwehr im vergangenen Jahr, davon 1800 in privaten Wohnungen. „Lebensbedrohlich sind dabei nicht nur die Flammen. Viel mehr Menschen sterben an dem hochgiftigen Rauch“, sagt Wolfgang Rowenhagen von der Berliner Feuerwehr. Wahre Lebensretter können daher Rauchwarnmelder sein. „Sie reagieren bereits dann, wenn sich der Brand noch in der Anfangsphase befindet, also möglicherweise noch gar keine Flammen hochschlagen. In dieser Phase kann er eventuell noch von dem Bewohner selbst mit Wasser oder einem Spezialschaum gelöscht werden, in jedem Fall aber die Feuerwehr rechtzeitig benachrichtigt werden“, sagt Wolfgang Rowenhagen.

Trotzdem sind in Berlin nur 20 bis 22 Prozent der privaten Haushalte mit Rauchmeldern ausgestattet. „In anderen Bundesländern, wo Rauchmelder Pflicht sind, sind es 90 bis 95 Prozent“, sagt Wolfgang Rowenhagen. Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Bremen und Sachsen-Anhalt haben bereits eine Rauchmelder-Pflicht. Nordrhein-Westfalen stehe kurz davor, sie einzuführen. Die Erfahrung dort zeige, dass es deutlich weniger Tote durch Rauchvergiftungen gibt. Der Feuerwehrsprecher würde eine entsprechende Vorschrift daher auch für Berlin begrüßen.

Die meisten Rauchwarnmelder reagieren mit einem akustischen Signal, das der Lautstärke eines Presslufthammers nahe kommt, also auch Tiefschläfer weckt. Die Messkammern in dem Gerät senden regelmäßig Lichtstrahlen aus. Werden diese durch Rauchpartikel gestört, lösen sie Alarm aus. Auch vor einem Brand im Treppenhaus kann so gewarnt werden, wenn der Rauch in die Wohnung tritt. „Einen günstigen Rauchwarnmelder bekommt man heute schon ab etwa zehn Euro“, sagt Wolfgang Rowenhagen. Achten sollte man beim Kauf auf das CE-Zeichen.

Für taube Menschen gibt es auch Modelle, die auf einem Extrateil eine Vibration auslösen und zum Beispiel nachts unter das Kopfkissen gelegt werden können. Auch ein sehr helles Stroboskop-Licht, das sogar Sehbehinderte wahrnehmen, kann vor dem Rauch warnen. Vernetzte Geräte können den Alarm auch an die Zentrale eines Sicherheitsdienstes, an das eigene Handy oder direkt an die Feuerwehr weiterleiten. Allerdings sind diese Geräte deutlich teurer und lohnen sich nur bei einer eigenen Immobilie, die beispielsweise für längere Zeit unbewohnt ist.

Idealerweise werden Rauchmelder in etwa zwei Meter Höhe an der Zimmerdecke angebracht. Kinderzimmer, Schlafräume und Verbindungsräume, die als Fluchtwege dienen können, sollten auf jeden Fall ausgestattet sein. Auch Hobby- oder Arbeitszimmer mit vielen Elektrogeräten sollten einen Rauchmelder haben. Bad und Küche hingegen können ausgespart oder mit einem Rauchmelder zum An- und Ausschalten versehen werden. Denn auch feuchter Wasserdampf würde bei einigen Rauchmeldern einen Alarm auslösen. Zigarettenqualm hingegen verflüchtigt sich in der Regel so schnell, das es nicht zum Fehlalarm kommt.

Sollte auch in Berlin eine Pflicht für Rauchwarnmelder in Privathaushalten eingeführt werden, würden die Anschaffungs-, Installations- und Wartungskosten in Mietwohnungen wahrscheinlich auf die Betriebskosten umgelegt werden, was etwa einen Euro pro Monat ausmachen würde, schätzt Rowenhagen.

Solange noch keine Pflicht besteht, können Mieter die Rauchmelder auf eigene Kosten auch ohne Einwilligung des Vermieters selbst installieren. „In der Regel sind dafür nur zwei Bohrlöcher in der Decke notwendig“, sagt Rowenhagen. Hausbesitzer können auch erwägen, die Rauchmelder über den Energiekreislauf des Hauses zu speisen. Allerdings ist die Installation dann deutlich aufwendiger, da die Leitungen unter Putz gelegt werden müssten. Er empfiehlt Rauchmelder, die eine fest eingebaute Batterie mit einer Haltbarkeit von zehn Jahren haben. Nach Ablauf dieses Zeitraums wird der komplette Rauchmelder ausgetauscht. „So vermeidet man alle paar Jahre einen Batteriewechsel und kann sicher sein, dass die Geräte im Ernstfall funktionsbereit sind“, sagt Rowenhagen.

Auch den Versicherungen ist daran gelegen, dass ihre Kunden Rauchmelder einbauen. Deshalb gibt zum Beispiel die Axa bei ihren Feuerversicherungen einen Nachlass von sieben Prozent auf die Prämie, wenn Rauchmelder installiert werden. Andere Versicherer verschenken die Geräte bei Abschluss eines Vertrages. „Auch wenn Rauchmelder keine Obliegenheit sind, weisen unsere Vertreter in Kundengesprächen auf ihren Nutzen hin“, sagt Axa-Sprecherin Sabine Friedrich.

Katrin Rüter vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) sagt: „Rauchwarnmelder helfen in erster Linie, Menschenleben zu retten. Als Nebeneffekt können sie dazu beitragen, Sachschäden zu reduzieren, indem in manchen Fällen früher Löschmaßnahmen ergriffen werden können.“ Der GDV fördert die Kampagne „Rauchmelder – Lebensretter“, die auf ihrer Internetseite (www.rauchmelder-lebensretter.de) Informationen zum Thema bietet.

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