Zeitung Heute : Auf Tauchstation

Der Tagesspiegel

Von Rainer W. During

Reinickendorf. Den Schülern und Vereinsmitgliedern, die das von der Schließung bedrohte Hallenbad in der Cité Foch nutzen, steht das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals. Doch nun naht nach Informationen des Tagesspiegel ein mit Sauerstoffflaschen ausgestatteter Retter in der Not, um das Bad vor dem Untergang zu retten: Sigbert Schäfer will die Becken kommerziell nutzen. Der 35-jährige Inhaber eines Tauchladens in Hermsdorf will das Bad in ein in Berlin einmaliges Dienstleistungszentrum für Unterwasserfreaks umwandeln.

Sein Geschäft in das Bad zu verlegen, wo die Kunden mit Schwimmflossen, Neoprenanzüge und Sauerstoffflaschen gleich auf Tauchstation gehen können, ist das Eine. Und wenn er dann noch Theorie- und Praxiskurse unter einem Dach anbieten kann, sind zwei der sieben Bahnen und das halbe Kinderbecken ausgelastet, sagt der Baden-Württemberger. Den Rest könnten die 24 Schulen und 16 Vereine weiter nutzen, die nach einer Schließung kein Domizil mehr hätten.

Partner, die gastronomisch tätig werden und einen Wellnessbereich einrichten wollen, hat Schäfer auch schon gefrunden. Freiberufliche Tauchlehrer könnten in der Cité Foch zusätzlich eine Basis finden, kalkuliert er; Unterwassersportler könnten hier ihr Equipment vor der Urlaubsreise testen. Die Öffnungszeiten sollen auf die Wochenenden ausgedehnt, fünf Vollzeitkräfte und vier bis sechs Aushilfen beschäftigt werden.

„Ich hätte mich nie getraut, so ein Konzept auf den Tisch zu legen, wenn die Nutzung durch Schulen und Vereine nicht auf der Kippe stehen würde“, so Schäfer. Seine Liebe zum Tauchen entdecke er als Jugendlicher. Als der Wehrdienst anstand, hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und sechseinhalb Jahre als Zeitsoldat bei den Waffentauchern in Eckernförde gedient. Anschließend war er als Wahlberliner zunächst in anderen Fachgeschäften tätig. Vor zwei Jahren hat er sich mit seinem Laden selbstständig gemacht.

Schäfers Konzept wird gegenwärtig von den Bäderbetrieben geprüft. Die Hälfte der monatlichen Betriebskosten von rund 50 000 Euro will der Bewerber übernehmen. Den Rest, so sein Vorschlag, sollen weiter die Bäderbetriebe übernehmen. Denn müssten Schulen und Vereine bei einer Schließung in andere Hallen umziehen, würden dort Einnahmeverluste entstehen, weil die öffentlichen Schwimmzeiten reduziert werden müssten.

In ersten Gesprächen mit Vereinen sei seine Idee auf positive Resonanz gestoßen, sagt der Familienvater. Immerhin blieben die Wassersportler so von administrativen Aufgaben verschont und müssten sich auch nicht auf ein gemeinsames Betreiberkonzept verständigen. Wenn sich die Vereine finanziell beteiligen, sei auch eine komplette Übernahme denkbar. Dieses Alternativkonzept ist allerdings noch nicht ausgereift, sagt Schäfer.

„Wenn man das Hobby zum Beruf macht, hat man plötzlich kein Hobby mehr“, hat Sigbert Schäfer festgestellt. Viel Zeit, um selbst ins Wasser zu springen, hat der Familienvater ohnehin nicht mehr. Wenn er sechs Tage in der Woche in seinem Laden gestanden und nebenbei immer wieder an seinen Plänen für das „Franzosenbad“ gefeilt hat, gehört der Feierabend seiner derzeit liebsten Freizeitbeschäftigung. Und das ist sein zweieinhalb Jahre altes Töchterchen.

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