Zeitung Heute : Aufklärungsarbeit

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Der Mieter eines Plattenbaus in Marzahn wunderte sich darüber, dass er trotz erfolgter Modernisierung Jahr für Jahr mehr Heizkosten zahlen sollte. Dabei war er doch der Meinung, sehr sparsam mit der Wärme hauszuhalten. Er ging mit seiner Heizkostenabrechnung zu einem Rechtsberater des Berliner Mietervereins. Der stellte zwar zahlreiche Ungereimtheiten fest wie Anschlusswerte, die von Jahr zu Jahr extrem schwankten. Dennoch war die Rechnung in sich stimmig und nicht zu beanstanden. Erst ein Blick in den Heizspiegel bestätigte, dass mit den Werten in dem Marzahner Plattenbau etwas nicht stimmen konnte.

Von diesem und ähnlichen Fällen berichtet der Berliner Mieterverein in einer Ausgabe seines Mietermagazins. Eine Überprüfung der Abrechnungen nach dem Berliner Heizspiegel könne zeigen, ob hohe Heizkosten am eigenen Verhalten lägen oder ob nicht vielleicht das Gebäude einen überdurchschnittlich hohen Energieverbrauch aufweise. Der Heizspiegel sei jedoch im Gegensatz zum Mietspiegel rechtlich nicht verbindlich, betont der Mieterverein.

Den Berliner Heizspiegel gibt es seit 1999. Auf der Grundlage von 130 000 untersuchten Wohnungen teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung damals die Energieverbräuche von Gebäuden in sieben Klassen von A bis G ein. Der Heizspiegel gibt auch Auskunft darüber, welche Klasse für einen jeweiligen Gebäudetyp und Baujahr erreicht werden sollten. Mit dem Heizspiegel können Mieter und Vermieter durch einfache Berechnungen feststellen, in welcher Energieklasse sich ihr Haus befindet.

Es gehe dabei jedoch nicht allein um eine Absenkung der "zweiten Miete", so der Mieterverein. Der Heizspiegel solle gleichzeitig auch Anreize zur Energieeinsparung geben und damit die Umwelt entlasten. Ein auffallend hoher Energieverbrauch sei oft auf veraltete Heizanlagen und schlechte Bausubstanz zurückzuführen. Der Mieterverein weist allerdings darauf hin, dass der Vermieter Sanierungsmaßnahmen, die zu einer Energieeinsparung führen, auf die Miete umlegen kann. Das Mietermagazin berichtet von einem Fall aus Kreuzberg, bei dem eine Überprüfung dringenden Handlungsbedarf ergeben habe. Schlechte Wärmedämmung sei dort eindeutig die Ursache für einen hohen Wärmeverbrauch gewesen. Doch die Mieter wollten auf keinen Fall mehr Miete zahlen und verzichteten deshalb darauf, den Vermieter zu informieren und zu einer Sanierung zu veranlassen.

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