Zeitung Heute : Aufmerksamkeit: Interview: "Das kostet Energie"

Sind Sie gerade konzentriert?

Ruxandra Siretanu ist Professorin am Max-Planck-Institut für Hirnforschung. Ihr Schwerpunkt ist die Neuropsychologie der Aufmerksamkeit.

Sind Sie gerade konzentriert?

Ja, weil ich Ihr Telefonat erwartet habe. Ich habe mir die Aufgabe gestellt, mich zu konzentrieren.

Was passiert dabei im Gehirn?

Genau kann man das nicht sagen. Man weiß, dass bestimmte Gehirnareale an der Verarbeitung von Situationen oder Merkmalen beteiligt sind. Man weiß auch, welche Regionen das sind. Aber wie das Zusammenspiel funktioniert, weiß man noch nicht.

Gibt es bei Reizen so etwas wie die Macht des Stärkeren?

Ja, Reize, die stärker sind, ziehen automatisch unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wenn wir zum Beispiel Auto fahren, und plötzlich überholt uns ein Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn, dann zieht der unsere Aufmerksamkeit auf sich, weil er einfach lauter ist als der restliche Verkehr.

Wenn es viele Reize gibt, wird auch unsere Aufmerksamkeit größer?

Nein, im Gegenteil. Wenn rechts jemand laut schreit und links gleichzeitig eine Situation besteht, auf die wir unsere Aufmerksamkeit lenken, dann ist es schwierig, unsere Aufmerksamkeit zu teilen. Ähnlich ist es beim Fernsehschauen, wenn Sie viele verschieden Bilder und schnelle Schnitte verarbeiten müssen. Sie sind dann nicht mehr in der Lage, das Wichtige herauszufiltern.

Warum lässt die Aufmerksamkeit nach einer gewissen Zeit nach?

Aufmerksamkeit kostet Energie und Ressourcen. Es ist ja nicht das Normale, es ist eine besondere Situation, wenn man auf etwas seine Aufmerksamkeit richtet. Außerdem läßt die Aufmerksamkeit nach, wenn eine Aufgabe keinen Neuigkeitswert mehr hat.

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