Zeitung Heute : Aufs Spiel setzen

Robert Ide[Dortm]

Bei der Fußball-WM sind bisher 24 Teams ausgeschieden. Was passiert mit den Ticketkontingenten dieser Verbände?


Es ist nicht ganz ausgeschlossen, noch an ein WM-Ticket zu kommen. Doch die Chancen, im offiziellen Verkauf eine Restkarte zu erhalten, sind verschwindend gering. Denn wirkliche Restkarten gibt es nicht. „Alle Spiele ab dem Viertelfinale sind ausverkauft“, sagt Horst R. Schmidt, der für Tickets zuständige Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, auf Nachfrage. Vereinzelt bekommen die WM-Planer noch Karten von Sponsoren zurück, diese werden aber zunächst jenen Fans angeboten, die sich mit einem Optionsticket einen Platz auf der Warteliste erkauft haben. Im freien Handel unter www.fifaworldcup.com gibt es praktisch keine Karten mehr. An den Ticketschaltern vor den Stadien wird ebenfalls nichts angeboten.

Hoffnung für viele Fans sind deshalb die Kontingente für die an den Viertelfinals beteiligten Länder. Den beteiligten Verbänden stehen jeweils acht Prozent der Stadionplätze zu. „Alle Verbände wollen aber ihr Potenzial voll ausschöpfen“, berichtet Schmidt. So bleiben nur noch ungenutzte Tickets von Fans, die nach dem Ausscheiden ihres Teams nicht mehr ins Stadion wollen oder mit ihrer Mannschaft frühzeitig nach Hause reisen. Aber selbst hier bleibt das Angebot nach Ansicht der Ticketexperten überschaubar. „Wir haben im Achtelfinale die Erfahrung gemacht, dass die Leute zu jedem Spiel gehen, egal wer gegen wen antritt“, berichtet Schmidt. Abgesehen von wenigen freien Sitzplätzen sind inzwischen alle Arenen komplett besetzt.

Das liegt wohl daran, dass der zuvor von den Organisatoren verdammte Schwarzmarkt praktisch legalisiert wurde. An den Stadiontoren werden die personengebundenen Karten kaum noch mit den Personalausweisen der Besucher abgeglichen. Wer mit dem falschen Ticket in eine zufällige Kontrolle gerät, kann es sogar nachträglich umschreiben lassen – falls die Karte gültig ist und der Besitzer nicht als Hooligan registriert ist.

Viele Fans, die vor der WM ihre Tickets mit viel Aufwand und etwa unter Vorlage ärztlicher Atteste umschreiben ließen, ärgern sich über die neue Lockerheit. „Nur weil sich manche Leute nicht an die Regeln halten, heißt das nicht, dass es keine Regeln mehr gibt“, sagt dagegen Ticketchef Schmidt. Sein Verkaufssystem war auf stärkere Kontrollen zugeschnitten. Inzwischen gesteht er ein: „Wenn jemand seine Karte loswerden möchte, können wir ihn schlecht daran hindern.“ Insbesondere der Fußball-Weltverband Fifa hatte auf lockeren Kartenkontrollen bestanden, um Staus vor den Eingängen zu verhindern. Nun blüht der Schwarzmarkt bei stetig steigenden Preisen. Mehrere hundert Euro werden vor den Arenen bereits für eine Karte verlangt. Nur wer viel Geld bezahlt, besitzt wohl noch eine realistische Chance, ins Stadion zu kommen.

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