Zeitung Heute : Auftritt der rätselhaften Wesen

Körperliche Belastungen von Tänzern sind kaum erforscht – eine Kooperation könnte das ändern

Bis in die letzte Muskelfaser werden Profisportler oft ausgemessen, analysiert, untersucht – und Profitänzer? Sind für die Wissenschaft offenbar noch unbekannte Wesen. „In meinem Bereich gibt es fast gar nichts“, sagt Professor Georg Duda. Er leitet das Julius-Wolff-Institut der Charité und forscht vor allem in der Biomechanik, die sich unter anderem mit den Belastungen der Knochen, Muskeln, Bänder und Sehnen beschäftigt.

Fragen hat Duda aber sehr wohl ans Ballett: „Tänzer müssen ja früh anfangen. Wie beeinflusst das Tanzen langfristig die Entwicklung eines Kindes, positiv wie negativ? Wer würde gut passen, wer hätte langfristig Schwierigkeiten? Wie passt sich der Körper der Belastung an?“

In einer neuen Kooperation mit dem Staatsballett könnte Duda Antworten finden. Zumal ihn die Körper der Tänzer auf andere Weise interessieren als die von Sportlern. Tänzer müssen ihre Leistung schließlich über mehrere Jahrzehnte erbringen, während etwa Turnerinnen oder Rhythmische Sportgymnastinnen mit 14 oder 15 Jahren auf ihren Leistungshöhepunkt trainiert werden, denn wer weiß, ob sie vier Jahre später noch einmal eine Chance bei Olympischen Spielen haben. „Wenn man im Ballett die erste Reihe mit lauter 14- und 15-Jährigen besetzten würde, dann würde das Publikum komisch gucken“, sagt Duda.

Das Ballett könnte daher versuchen, den Gegensatz zwischen Leistungssport und Gesundheit ein bisschen zu mildern: „Eine richtige Präventionsstrategie gibt es im Leistungssport nur in wenigen Feldern“, sagt Duda, „der Profitanz könnte also eine Vorreiterrolle einnehmen, gerade vor dem Hintergrund, dass die Leistung besonders lange erhalten werden soll.“ Es geht um Harmonie, Tanzen ist eben Körperkunst: „Muskeln sind wie ein Orchester. Und das Muskelspiel wie ein Konzert.“

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