Zeitung Heute : Aufwärts

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Was wird heute wichtig?

Alle Beobachter sind sich einig. Am Mittwochabend wird die USNotenbank (Fed) eine Erhöhung der Leitzinsen von ein Prozent auf dann 1,25 Prozent bekannt geben. Sie reagiert damit auf das starke Wirtschaftswachstum in den USA und zunehmende Inflationsgefahren. Für die Geschäftsbanken, die sich zu diesem Zinssatz Geld von der Zentralbank leihen, wird dies also teurer. Wenn es die Konkurrenz zulässt, werden sie diesen „Preisanstieg“ an Verbraucher und Unternehmen weitergeben. Es wäre die erste Zinsanhebung in den USA seit vier Jahren. Im Prinzip kein Beinbruch, denn die Zinsen liegen derzeit auf dem tiefsten Stand seit 1958. Doch es dürfte nicht bei diesem einen Schritt bleiben. Die Volkswirte von Allianz und Dresdner Bank beispielsweise rechnen damit, dass die Leitzinsen in den USA Mitte des kommenden Jahres bei etwa vier Prozent liegen könnten. Die Aktienmärkte haben bereits reagiert, denn Zinserhöhungen sind Gift für die Börse. Das Geld, mit dem man Aktien kaufen könnte, wird teurer und zudem werden festverzinsliche Papiere attraktiver. Am gestrigen Dienstag hielten sich die Anleger deutlich zurück. Die beabsichtigte Dämpfung der wirtschaftlichen Aktivität in den USA wird sich hingegen in Grenzen halten. Die Unternehmen haben die Niedrigzinsphase genutzt, ihre kurzfristigen Schulden in langfristige umzuwandeln, sie bekommen die Zinserhöhung also nicht direkt zu spüren. Deutlicher wird es die privaten Haushalte treffen, die das billige Geld genutzt und verstärkt auf Pump gelebt haben. Profitieren könnten die Europäer. Da die Geldanlage in den USA attraktiver wird, steigt tendenziell der Kurs des Dollars gegenüber dem Euro. Exportgüter der Europäer werden billiger und damit konkurrenzfähiger. Doch, auch darin sind sich die Fachleute einig: Die Europäische Zentralbank wird vermutlich im ersten Quartal 2005 nachziehen. Derzeit liegen die Leitzinsen in Euroland noch bei historisch niedrigen zwei Prozent. Dies liegt vor allem im Interesse Deutschlands, wo sich der Aufschwung schon wieder abschwächt. Daniel Rhée-Piening

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