Zeitung Heute : Augen zu und durch

In luftiger Höhe, unter Haien oder in der Eiskapelle: Ja sagen kann man an ungewöhnlichen Orten.

Bereit, Schatz? Dieses Paar seilt sich an der 142 Meter hohen Fassade des Frankfurter Büro Centers ab. Für die Trauung kam der Pfarrer ihnen immerhin bis auf 30 Meter entgegen. Foto: picture-alliance/dpa
Bereit, Schatz? Dieses Paar seilt sich an der 142 Meter hohen Fassade des Frankfurter Büro Centers ab. Für die Trauung kam der...Foto: picture-alliance / dpa

Kirche, Kutsche, Blumenkinder – nein, danke! Nicht jeder träumt von einer klassischen Hochzeit. Abenteuerlustige lassen sich hoch über den Wolken trauen, bevor sie per Fallschirm ins Eheglück springen, oder tauchen zum Meeresgrund, um sich zwischen Fischen und Korallen das Jawort zu geben. Andere reisen nach Hawaii und lassen sich am Strand von einem Kahuna, einem hawaiianischen Priester, bei Sonnenaufgang vermählen. Oder wie wäre es mit einer Hochzeit à la James Bond in den Pinewood-Studios im englischen Buckinghamshire?

Von einem „Trend zur Abenteuerhochzeit“ mag Edith Axt, Marketingdirektorin des Hochzeitsportals weddix.de, zwar nicht sprechen. Trotzdem stehen ungewöhnliche Locations hoch im Kurs. So etwa eine kirchliche Trauung vor der 1669 Meter hoch gelegenen Kapelle an der Steinlingalm in den Chiemgauer Alpen. Um dorthinzugelangen, fahren Paar und Gäste mit der Kampenwandseilbahn hinauf zur Bergstation, von wo es über einen Panoramaweg hinüber zur Steinlingkapelle und nach der Zeremonie zum Empfang in die Sonnen-Alm geht.

Auch die standesamtliche Trauung muss nicht in einer grauen Amtsstube stattfinden. Viele Standesämter haben Trauzimmer auf Schlössern und Burgen eingerichtet oder kooperieren mit Schlosshotels, um Paaren eine märchenhafte Hochzeit zu bescheren. So hat das Standesamt Kassel bereits 1987 im Dornröschenschloss Sababurg in Hofgeismar das erste Trauzimmer außerhalb eines Rathauses etabliert. Verliebte können sich seither im Lavinia-Salon aus dem 16. Jahrhundert oder im mittelalterlichen Gewölbe das offizielle Jawort geben – sogar ganz romantisch in Vollmondnächten bei Kerzenschein.

„Oft arbeiten Locations mit lokalen Standesämtern oder Pfarreien zusammen und bieten standesamtliche oder kirchliche Trauungen oder beides im Haus an“, sagt Edith Axt. Es gebe eine ganze Reihe außergewöhnlicher Orte, an denen man gleichzeitig heiraten und feiern könne. Besonders beliebt ist der Expertin zufolge etwa das Hotel Schloss Romrod, das zwischen Bad Hersfeld und Gießen liegt, aber auch das Rittergut Bömitz in Mecklenburg-Vorpommern, wo man Gutsherr und Gutsherrin für einen Tag sein kann: Die Location wird exklusiv für die eigene Hochzeit reserviert. Weitere beliebte Orte seien das Kloster Hornbach aus dem 8. Jahrhundert in der Pfalz, das Jesuitenschloss Freiburg-Merzhausen mit Blick auf den Kaiserstuhl und das Klosterhotel Ludwig der Bayer im Kloster Ettal. „Schon der Name ist Programm“, sagt Edith Axt. Ettal bedeutet nämlich „Tal des Gelöbnisses“.

Ein weiterer aktueller Trend ist die „Destination Wedding“: Hochzeit und Flitterwochen in einem – mal mit, mal ohne Gäste. So können abenteuerlustige Paare etwa auf den Spuren des Piraten Henry Morgan in der Ruinenstadt Panamá Viejo nahe Panama City auf eine Reise in die Kolonialzeit gehen und ein rauschendes Fest unter freiem Himmel feiern. Wer es wildromantisch mag, lässt sich im Resorthotel Banyan Tree Ringha vor den schneebedeckten Gipfeln des Himalajas von einem buddhistischen Mönch nach alter tibetischer Tradition am heiligen See Shudugang trauen. Ökotouristen kommen im australischen Daintree Eco Lodge & Spa auf ihre Kosten und feiern ihre „Rainforest Wedding“ am Fuß eines Wasserfalls, bevor es zum Hochzeitsschmaus am Daintree River geht. Und wer es lieber kalt mag, tritt in der Eiskapelle des märchenhaften Hotel de Glace – nur zehn Minuten vom kanadischen Québec City entfernt – vor den Traualtar.

Ungewöhnliche Orte für das Jawort gibt es zuhauf: vom Cinderella-Schloss in Disneyland bis zur Jacht auf Barbados, von der Lodge in Südafrika bis zum Riesenrad im Wiener Prater oder dem Hai-Aquarium im englischen Staffordshire. Egal wo und wie man seine Hochzeit feiert: Wichtig sei, dass die Location die eigenen Erwartungen erfülle, betont Edith Axt. „Außerdem muss schon in der Einladung klar sein, was die Hochzeit ungewöhnlich macht, worauf sich die Gäste einstellen sollten und ob spezielle Kleidung erforderlich ist.“ Denn nichts verderbe die Stimmung so sehr wie überforderte Gäste – „zum Beispiel Freundinnen in Stöckelschuhen und dünnen Kleidern, die überraschend an einer Trauung in einem Bergwerk teilnehmen müssen“.

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