Zeitung Heute : Aus dem Hörsaal an den Fjord

Die Messe Studyworld informiert über Studium, Praktikum und Weiterbildung im In- und Ausland. Gastregion ist Skandinavien

Viola Zech

Bachelor, Master oder Staatsexamen? Mit Erasmus oder Leonardo da Vinci für ein Semester in Europa studieren oder doch lieber in die USA? Das Angebot der Studien- und Fördermöglichkeiten für unternehmungslustige Studierende ist breit gefächert. Und: Studienaufenthalte oder Praktika im Ausland werden immer wichtiger für die Karriereplanung. Orientierung bietet am kommenden Freitag und Sonnabend die Studyworld 2007. Die internationale Messe informiert über Studium, Praktikum und akademische Weiterbildung im In- und Ausland und findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt.

140 Aussteller aus 25 Ländern präsentieren sich am 11. und 12. Mai im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Berliner Friedrichstraße. Die Messe richtet sich vor allem an Schüler der Jahrgänge 11 bis 13 sowie an Studierende und Hochschulabsolventen, die sich für eine akademische Weiterbildung interessieren. „Die Studyworld 2007 soll Besuchern die Möglichkeit bieten, auch ganz individuelle Fragen zu klären“, sagt Silke Lieber, Projektleiterin des Messeveranstalters ICWE GmbH.

Zum Messeauftakt im Vorjahr wurden 9000 Besucher aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland gezählt. Entsprechend positiv war die Resonanz der Aussteller. Dieses Jahr ist die Studyworld noch größer und internationaler geworden; man erwartet rund 10 000 Besucher. Unterstützt wird die Messe vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung unter der Schirmherrschaft von Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

Besonderer Schwerpunkt ist in diesem Jahr das Studieren in Skandinavien. Moderne Hörsäle, kleine Seminare, meist keine Studiengebühren, dafür Englisch als Unterrichtssprache – gute Gründe sprechen für ein Auslandssemester im hohen Norden. Das dachte sich auch Fabian Kuhn, Geschichtsstudent aus Karlsruhe, als er sich über Studienmöglichkeiten in Norwegen informierte. „Skandinavien hatte für mich schon immer einen besonderen Reiz“, erzählt er. Beim Akademischen Auslandsamt seiner Hochschule erfuhr er, dass die Chancen, mit dem Erasmus-Programm der Europäischen Union in die Stadt Tromsø zu kommen, gut stünden. Ganz im Norden von Norwegen, nur 344 Kilometer Luftlinie vom Nordpol entfernt gelegen, ist das Städtchen eher unbekannt – und steht daher bei vielen ausländischen Studierenden weniger hoch im Kurs als die spannenden skandinavischen Metropolen.

Fabian Kuhn hat seine ungewöhnliche Wahl jedoch nicht bereut. Seit Januar studiert er in Tromsø im Masterstudiengang „Peace Studies“. Nach seinem Bachelor in Geschichte und Kulturwissenschaft kann er so Einblicke in Politik und Konfliktforschung gewinnen.

„Anders als in Deutschland werden die Studenten in Norwegen regelrecht verwöhnt, was Bildung betrifft“, berichtet Kuhn. „Kopieren und Internetnutzung ist zum Beispiel für alle umsonst. Außerdem ist die Uni mit der neuesten Technik ausgestattet.“ Und in den vier Monaten, die er nun schon in Tromsø studiert, hat er mehr Englisch gelernt, als in vier Jahren Schulunterricht. Außerdem habe Tromsø noch mehr zu bieten als eine moderne Universität: „Die Landschaft ist wunderschön und das Klima sehr extrem und dadurch so interessant. Jetzt im Mai fällt immer noch Schnee. Dafür ist bald Mittsommer, das bedeutet, dass es schon jetzt bis abends um zwölf hell bleibt“, schwärmt der Student. Nur mit dem Erasmus-Stipendium hat es nicht so gut geklappt wie erwartet. Seit Januar wartet Fabian Kuhn nun schon auf seine monatliche Unterstützung, obwohl er seine Unterlagen frühzeitig und vollständig eingereicht hatte.

Auf der Studyworld sind jedoch nicht nur Aussteller aus Skandinavien vertreten. Auch über andere spannende Länder und Universitäten kann man sich informieren, etwa an den Ständen der Indonesischen oder der Kanadischen Botschaft, beim Generalkonsulat von Neuseeland oder bei Universitätsvertretern von Riga bis Wisconsin. „Die Messe soll vor allem Inspiration für Schüler und Studenten sein, die noch nicht wissen, wohin es gehen soll“, sagt Projektleiterin Silke Lieber. „Es gibt weltweit so viele tolle Studiengänge – nur leider weiß man von vielen einfach nichts.“ Eine ausführliche Studienberatung ist dann auch der Hauptpreis des Messe-Gewinnspiels; als weitere Gewinne gibt es zum Beispiel Flugtickets und Vokabeltrainer.

Parallel zur Messe wird ein umfangreiches Fachprogramm angeboten, das für die Besucher kostenlos ist (siehe Info-Kasten). Die Vorträge befassen sich zum Beispiel mit den Möglichkeiten der Studienfinanzierung in Zeiten von Studiengebühren, dem neuen Bachelor- und Mastersystem oder Strategien zur Studienwahl. Eine Podiumsdiskussion beleuchtet viel diskutierte Fragen rund um die „Generation Praktikum“. Und auch die skandinavischen Aussteller informieren über ihre Heimatländer.

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