Zeitung Heute : Aus den Augen

… aber nicht aus dem Sinn: Wie man alte Freunde wiederfinden kann

Carina Frey dpa

Zum Glück reden Menschen miteinander. Sie erzählen ihren Nachbarn, wohin sie ziehen, und selbst entfernteren Kollegen, wenn sie heiraten. Anneliese Hahn vertraut auf das Gedächtnis der Leute. So zu forschen ist zwar mühsam, führt aber oft zum Erfolg. Seit fünf Jahren sucht die Rentnerin ehemalige Konfirmanden der Gethsemanegemeinde in Hannover, um sie zur Goldenen Konfirmation einzuladen.

„Ich schaue, wo die Leute gewohnt haben und spreche dann die Nachbarn an. Die können mir oft weiterhelfen", sagt Hahn. Daneben gibt es noch viele andere Wege, alte Freunde und Klassenkameraden zu finden. Vergleichsweise leicht ist die Suche, wenn sich ein Konfirmanden- oder Schuljahrgang über die Jahre hinweg regelmäßig getroffen hat.

„Dann sammelt einer die Informationen und ist der zentrale Ansprechpartner“, sagt Eike Pies, Ahnenforscher aus Wuppertal. Lebt der Klassenlehrer noch, könne er häufig weiterhelfen. „Lehrer halten meistens Kontakt zu einigen Schülern.“ Theoretisch könnten auch die Kirchengemeinden nachforschen, wo ehemalige Gemeindemitglieder gemeldet sind und ob sie durch eine Heirat ihren Namen geändert haben. Sie dürfen die Daten aber nicht herausgeben. „Die Informationen unterliegen dem Datenschutz“, erklärt Christian Weisker, Sprecher der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Der Datenschutz ist eines der größten Probleme bei der Suche nach alten Freunden. In einigen Bundesländern gäben auch die Einwohnermeldeämter aufgrund des Datenschutzes keine Kontaktadressen weiter, sagt Holger Zierdt vom Vorstand der Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände in Stuttgart. „Das wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt.“ Bei den Einwohnermeldeämtern in München und Dresden können Bürger über das Melderegister nach alten Freunden und Bekannten suchen. „Wir geben Auskunft über alle Personen, die Sie spezifizieren können“, sagt Christopher Habel vom Kreisverwaltungsreferat der Stadt München.

Wichtig seien Namen und Geburtsdatum. „Wir müssen die Person genau zuordnen können.“ Trägt der Gesuchte einen ungewöhnlichen Namen, reiche dieser manchmal aus. Schwierig wird es bei häufigen Namen wie Susanne Müller oder Michael Schneider. Ist das Geburtsdatum unbekannt, könne eine frühere Adresse hilfreich sein, sagt Regina Ebeling, Abteilungsleiterin Pass- und Meldewesen der Stadt Dresden. Hat die gesuchte Person ihren Wohnsitz in der Stadt, kann das Einwohnermeldeamt die neue Adresse nennen. In diesem Fall erfährt das Amt auch Namensänderungen oder einen Todesfall. „Das können wir weitergeben“, sagt Habel.

Kompliziert wird es, wenn die gesuchte Person umzieht: Dann können die Ämter nur die nächst gewählte Stadt nennen. „Wenn jemand nach Bautzen zieht, können wir das sagen. Aber für weitere Informationen ist das dortige Amt zuständig“, sagt Ebeling. Wechselt der Schulkamerad häufig den Wohnort, müsste sich der Suchende theoretisch von Amt zu Amt durchfragen. Das ist mühsam und auf Dauer teuer. In Dresden und München kosten mündliche Auskünfte ab fünf Euro – unabhängig davon, ob die Suche zum Erfolg führt.

Ist der Wohnort des Schulfreunds bekannt, lohnt ein Blick ins Telefonbuch. Telefonbücher im Internet bieten zudem die Möglichkeit, ausschließlich mit dem Namen zu suchen. Bei Müller oder Schmidt wird das schwierig, führt eine Person einen seltenen Namen, kann diese Suche aber durchaus zum Erfolg führen. Zahlreiche Internetportale bieten Hilfe bei der Suche nach alten Freunden an. Auf der Seite www.personensucher.de beispielsweise gibt es die Möglichkeit, kostenlos in verschiedenen Rubriken nach Bekannten zu suchen. Wer glaubt, eine Person erkannt zu haben, kann ihr eine E-Mail schreiben. „Manchmal erklären sich andere Leute bereit, bei der Suche zu helfen, oder sie geben Tipps“, sagt Dieter Müller. Carina Frey/dpa

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