Zeitung Heute : Aus der Bahn

Bernd Hops

Die Deutsche Bahn erhöht ihre Preise wahrscheinlich um 3,5 Prozent. Was muss passieren, damit der Fernverkehr attraktiv und lukrativ wird?

Die Bahn hat ein massives Problem mit ihrem Fernverkehrsangebot: Die teuren, modernen ICEs und ICs fahren oft fast leer durch das Land. Der Auslastungsgrad – das heißt der Anteil der verkauften Plätze im Verhältnis zu den insgesamt angebotenen – liegt im Schnitt gerade einmal bei 40 Prozent. Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Der Fernverkehr steht nur für zehn Prozent des Konzernumsatzes der Bahn, aber für gut die Hälfte des Konzernverlusts.

Was kann die Bahn also tun, um das zu ändern? Preiserhöhungen, wie jetzt angedacht, könnten ein Weg sein. Mehr Kunden gewinnen ein anderer. Angesichts der steigenden Strompreise wäre eine Preiserhöhung verständlich. Viele Fluggesellschaften haben auch Aufschläge zum Ausgleich für die gestiegenen Treibstoffpreise eingeführt. Mit der jetzt angedachten Erhöhung um 3,5 Prozent kann die Bahn die Energie-Mehrkosten aber nur dann ausgleichen, wenn die Fahrgastzahlen bleiben, wie sie sind.

Nun ist das Image der Bahn seit der missglückten Preisreform vom Dezember 2002 ohnehin ramponiert. Sie gilt als teuer, unflexibel und als generell unpünktlich. Das weiß Bahnchef Hartmut Mehdorn. Deshalb hat er dieses Jahr unter das Motto „bessere Qualität“ gestellt. Davon ist in der Öffentlichkeit allerdings bisher nur wenig angekommen. Die Züge sind zwar häufiger pünktlich als vor einem Jahr, aber das reicht noch nicht. Und als günstig gilt die Bahn ebenfalls nicht. Dafür müsste es Sonderpreisaktionen wie im Sommer kontinuierlich geben. Das würde sich aber nicht unmittelbar niederschlagen, die Bahn müsste noch eine ganze Weile Verluste im Fernverkehr hinnehmen, bis sich die Stimmung zu ihren Gunsten drehen könnte.

So viel Zeit hat Mehdorn nicht. Jedenfalls will er sich die Zeit nicht nehmen. Um schon für das Jahr 2006 vom Bund grünes Licht für einen Börsengang zu erhalten, will er jetzt schwarze Zahlen schreiben. Dass ihm dieses mit einer Preiserhöhung gelingt, die womöglich eher weitere Kunden vergrault als neue hinzugewinnt, darf bezweifelt werden.

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