Zeitung Heute : Aus der Deckung

Worauf sich die Amerikaner in einem Krieg gegen den Irak einstellen müssen

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Im ersten IrakKrieg hatten die Amerikaner leichtes Spiel, weil zuvor der Irak nur geringe militärische Anstrengungen unternehmen musste, Kuwait zu besetzen. Faktisch war der kleine Golfstaat wehrlos: Die irakische Armee hatte recht modernes Großgerät zur Verfügung, so dass es dem Saddam Hussein gelang, Kuwait einnehmen, aber trotzdem ist sie nicht wirklich stark. Die personelle und qualitative Schwäche der Truppe ermöglichte es anschließend den Amerikanern, ohne große Mühe den Befreiungskampf für sich zu entscheiden.

Doch anders als 1991 wird nach amerikanischer Einschätzung der Krieg dieses Mal nicht auf dem offenen Feld der Wüste entschieden, sondern vor allem im Kampf um Bagdad. Anders als im vergangenen Golfkrieg stellen sich die US-Streitkräfte auch darauf ein, dass ihnen Saddams Truppen nicht den Gefallen tun werden, massiert an wenigen Punkten und ohne Deckung gut auszumachende Ziele zu bieten. Gleich ob bei Angriffen vom Boden oder aus der Luft.

Dennoch: Nach der Papierform müssten die technisch auf höchstem Niveau ausgerüsteten und über einen unvergleichlich besseren Ausbildungsstand verfügenden amerikanischen Streitkräfte den Gegner eigentlich innerhalb kurzer Zeit besiegen können.

In der Wirklichkeit könnte es aber ganz anders kommen: Sollte es nämlich den Irakern gelingen, die spezifischen Vorteile der Amerikaner bis zu einem gewissen Grad ins Leere laufen zu lassen. Das Beispiel Kosovo hat dies gelehrt: Die serbischen Truppen haben die Bombenteppiche einfach über sich ergehen lassen – vor dem Beginn der Luftangriffe verfügten die Serben über rund 40000 Soldaten im Kosovo, am Ende waren es dann 46000. Das Massenmorden von Slobodan Milosevics Truppen ging im Übrigen nahezu unbeeinträchtigt während der Bombardements weiter. So könnten es auch die Iraker machen.

Am Ende wird aus amerikanischer Sicht alles von der Frage abhängen, ob es den Irakern gelingt, selbst das Schlachtfeld auszusuchen und ob die Moral der Truppe hält. Auch in diesem Fall wäre schwer vorstellbar, dass ein effektiver Widerstand über mehrere Monate aufrechtzuerhalten ist. Aber der Preis, den die Vereinigten Staaten zahlen müssten, wenn wenigstens Saddams Elitesoldaten den Feind in eine zähe Schlacht um Bagdad hineinziehen könnten, wäre beträchtlich. Die amerikanischen Truppenführer ständen dann immer wieder vor der schwierigen Abwägungsfrage, durch ihre Angriffsführung entweder beträchtliche Zivilopfer oder hohe eigene Verluste in Kauf zu nehmen. Und schnell, binnen weniger Tage, wäre der Krieg dann sicherlich nicht beendet. psi

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