Zeitung Heute : Aus eigenem Interesse

Die Nato hat seit ihrer Gründung schon viele Krisen erlebt

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In den mehr als 50 Jahren ihres Bestehens war die Nato wiederholt Belastungsproben ausgesetzt. Auslöser waren zumeist nationale Interessen einzelner Bündnispartner.

1966: Ein nationaler Alleingang des französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle richtet sich vor allem gegen das Übergewicht der USA. Frankreich verlässt die militärische Struktur der Nato, bleibt aber Mitglied der Allianz. Der mit einer reduzierten Kriegsgefahr in Europa und der Souveränität Frankreichs begründete Schritt wird von den Partnern hingenommen.

19791983: Der Nato-Doppelbeschluss über die Stationierung von nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa löst heftige Proteste der Friedensbewegung vor allem in den Niederlanden und der Bundesrepublik aus. Er bringt die sozialliberale Koalition von Bundeskanzler Helmut Schmidt in beträchtliche Schwierigkeiten. Eine Mehrheit der SPD stellt sich gegen den von Schmidt befürworteten Doppelbeschluss.

1986: Mit äußerster Zurückhaltung reagieren die meisten Verbündeten auf die US-Luftangriffe auf die libyschen Städte Tripolis und Bengasi. Nur Großbritannien und Kanada billigen den Militärschlag als Vergeltung für Terroranschläge auf US-Bürger. Frankreich und Spanien verweigern den USA vor dem Angriff das Überflugrecht.

1999: An den Luftangriffen auf Jugoslawien, dem ersten Kampfeinsatz in der Geschichte des Bündnisses, sind rund 13 Länder beteiligt. Die Hauptlast des 78-tägigen Krieges tragen jedoch die USA, die nach der Operation heftig über die Abhängigkeit der europäischen Bündnispartner vom Waffenarsenal der Amerikaner klagen.

2001: Seit den Terroranschlägen vom 11. September sehen die USA die Nato in ständig kritischerem Licht. Zwar erklärt das Bündnis nach der Vorlage von Beweisen für einen von außen gekommenen Angriff den Bündnisfall, der Krieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan wird aber nicht von der Allianz, sondern im Wesentlichen von den USA und Großbritannien geführt.Tsp/dpa

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