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Das Designbüro Fuchs & Funke Das Designbüro Fuchs & Funke

Nora Sobich

Das Möbel ist ein Sitzkissen, oder wenn man will, ein Loungechair. Oder ein Schaukelstuhl, der durch Überschlagen der Kufen kippfest wird und sich in einen stabilen Holzstuhl verwandelt: Das Designbüro Fuchs & Funke entwirft so genannte Kombinationsmöbel – Stühle, Sessel und auch Lampen, die sich verändern lassen und ihren Besitzern einen zusätzlichen Nutzen versprechen.

Fuchs & Funke, das sind Wilm Fuchs, 29, und Kai Funke, 30. Vor einem Jahr haben die beiden Designer ihr Diplom an der Hochschule der Künste Berlin gemacht und ihr Büro in den Industriehöfen der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg bezogen. Schon ein Jahr zuvor, als die emphatischen Jung-Designer zum ersten Mal auf der Mailänder Möbelmesse im „Salone Sattelite“ vertreten waren, hatten sie mit ihren reduzierten Konstruktionen ungewöhnlichen Erfolg. Firmen wie Armani oder Saporiti zeigten erstes Interesse. Habitat griff sogar gleich zu. Die englische Möbelmarke wird demnächst den Klappstuhl „kissel“ produzieren.

Zusammengefaltet sieht „kissel“ wie ein Sitzkissen aus. Ein flacher, kunstlederverpackter Quader mit praktischem Tragegriff, der sich zum Loungechair ausfahren lässt. Die scherengitterartig angeordneten Aluminiumstreben des Untergestells stabilisieren sich nach der Verwandlung und können je nach Laune wieder zusammengefaltet werden. „Es ist aber nicht so, dass wir immer einen Effekt brauchen, stets eine Art Zirkus-Show inszenieren“, meint Kai Funke.

Hinter ihren Entwürfen steckt weniger das Bestreben nach Effizienzsteigerung oder der Anspruch auf Einlösung sozialer Gestaltung von Wohnraum und Möbeln, sondern vielmehr ein spielerisches Moment. Die beiden Designer sind Tüftler. Sie lassen sich von ihren eigenen Ideen überraschen. Sicher, ein Stuhl müsse bequem sein, aber wenn aus dem Stuhl ein Regal werde, weil man etwa eine bestimmte Verbindung gefunden hat, oder wenn sich im Entwurfsprozess etwas ergibt, das die Verwandlung hinfällig werden lässt, sei das auch in Ordnung.

Eine der reizvollsten Fuchs & Funke-Kreationen ist der Schaukelstuhl „kippel“. Schwarz und geschmeidig steht er bei ihnen im Büro. Die Proportionen schön in der Waage gehalten, dass er allein vom Anschauen Spaß macht. Auch er ist ein Verwandlungsmöbel und sieht in seiner Gestalt als Stuhl wie eine Anlehnung an den Musikstuhl (1898 / 1899) von Richard Riemerschmied aus.

Fuchs und Funke entwerfen aber nicht nur Sitzmöbel. „jojo“ heißt ihre Direkt / Indirekt-Hängelampe, „Schubdrehlade“ ein Containersystem, dessen Schubladen sich sowohl rausdrehen als auch rausziehen lassen. Ihr Regalsystem „matrix“ besteht aus einer Struktur aus dünnem Birkensperrholz und Aluminium-Halbrundprofilen, die ohne Schrauben auskommt, nur durch die sich gegenseitig durchdringenden Elemente Stabilität erlangt.

Die Arbeiten sind zum Teil beabsichtigte Anspielungen und Umwandlungen von Entwürfen der Klassischen Moderne. Anders als in den Zwanzigern könne man heute mit Möbeln aber nicht mehr provozieren, meint Wilm Fuchs. Entscheidend sei es, ob die Entwürfe einen emotionalen Zugang erlauben: „Entweder gefallen sie einem oder nicht.“ Wegen ihrer spezifischen Problemlösungen sei keines von ihnen unersetzbar. Verwandlung hin oder her.

Fuchs & Funke. Schwedter Straße 34 A, 10435 Berlin , Telefon 3 44 03 44 93. Fax: 44 04 79 54. E-Mail: fuchs.funke@web.de .

Von Nora Sobich

Das Möbel ist ein Sitzkissen, oder wenn man will, ein Loungechair. Oder ein Schaukelstuhl, der durch Überschlagen der Kufen kippfest wird und sich in einen stabilen Holzstuhl verwandelt: Das Designbüro Fuchs & Funke entwirft so genannte Kombinationsmöbel – Stühle, Sessel und auch Lampen, die sich verändern lassen und ihren Besitzern einen zusätzlichen Nutzen versprechen.

Fuchs & Funke, das sind Wilm Fuchs, 29, und Kai Funke, 30. Vor einem Jahr haben die beiden Designer ihr Diplom an der Hochschule der Künste Berlin gemacht und ihr Büro in den Industriehöfen der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg bezogen. Schon ein Jahr zuvor, als die emphatischen Jung-Designer zum ersten Mal auf der Mailänder Möbelmesse im „Salone Sattelite“ vertreten waren, hatten sie mit ihren reduzierten Konstruktionen ungewöhnlichen Erfolg. Firmen wie Armani oder Saporiti zeigten erstes Interesse. Habitat griff sogar gleich zu. Die englische Möbelmarke wird demnächst den Klappstuhl „kissel“ produzieren.

Zusammengefaltet sieht „kissel“ wie ein Sitzkissen aus. Ein flacher, kunstlederverpackter Quader mit praktischem Tragegriff, der sich zum Loungechair ausfahren lässt. Die scherengitterartig angeordneten Aluminiumstreben des Untergestells stabilisieren sich nach der Verwandlung und können je nach Laune wieder zusammengefaltet werden. „Es ist aber nicht so, dass wir immer einen Effekt brauchen, stets eine Art Zirkus-Show inszenieren“, meint Kai Funke.

Hinter ihren Entwürfen steckt weniger das Bestreben nach Effizienzsteigerung oder der Anspruch auf Einlösung sozialer Gestaltung von Wohnraum und Möbeln, sondern vielmehr ein spielerisches Moment. Die beiden Designer sind ausgewiesene Tüftler. Sie lassen sich von ihren eigenen Ideen überraschen. Sicher, ein Stuhl müsse bequem sein, aber wenn aus dem Stuhl ein Regal werde, weil man etwa eine bestimmte Verbindung gefunden hat, oder wenn sich im Entwurfsprozess etwas ergibt, das die Verwandlung hinfällig werden lässt, sei das auch in Ordnung. Eine der reizvollsten Fuchs & Funke-Kreationen ist der Schaukelstuhl „kippel“. Schwarz und geschmeidig steht er bei ihnen im Büro. Die Proportionen schön in der Waage gehalten, dass er allein vom Anschauen Spaß macht. Auch er ist ein Verwandlungsmöbel und sieht in seiner Gestalt als Stuhl wie eine Anlehnung an den Musikstuhl (1898 / 1899) von Richard Riemerschmied aus.

Fuchs und Funke entwerfen aber nicht nur Sitzmöbel. „jojo“ heißt ihre Direkt / Indirekt-Hängelampe, „Schubdrehlade“ ein Containersystem, dessen Schubladen sich sowohl rausdrehen als auch rausziehen lassen. Ihr Regalsystem „matrix“ besteht aus einer Struktur aus dünnem Birkensperrholz und Aluminium-Halbrundprofilen, die ohne Schrauben auskommt, nur durch die sich gegenseitig durchdringenden Elemente Stabilität erlangt.

Die Arbeiten sind zum Teil beabsichtigte Anspielungen und Umwandlungen von Entwürfen der Klassischen Moderne. Anders als in den Zwanzigern könne man heute mit Möbeln aber nicht mehr provozieren, meint Wilm Fuchs. Entscheidend sei es, ob die Entwürfe einen emotionalen Zugang erlauben: „Entweder gefallen sie einem oder nicht.“ Wegen ihrer spezifischen Problemlösungen sei keines von ihnen unersetzbar. Verwandlung hin oder her.

Fuchs & Funke. Schwedter Straße 34 A, 10435 Berlin , Telefon: 44 04 79 52. E-Mail: fuchs.funke@web.de .

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