Zeitung Heute : Aus Fehlern lernen

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann

Sigrid Kneist

Drei Kreuze! Halloween, die Nacht des Grauens, ist überstanden. Nicht, dass ich mich vor kleinen Hexen oder Nachwuchs-Monstern fürchten würde, die „Süßes, sonst gibt’s Saures“ fordern. Halloween markiert aber den Auftakt der furchtbarsten Jahreszeit, der Bastelsaison. Die zieht sich über St. Martin, Advent, Weihnachten und Fasching bis Ostern. Erst dann, wenn man völlig ermattet vom Ostereierausblasen die Schweinerei aus Eierschalen und Matsche beseitigt hat, hat der Graus erstmal ein Ende. Bis zum nächsten Halloween.

In den nächsten Monaten werden sie also wieder auftrumpfen: die Diplom-Mütter, patenten Omas und sonstigen kreativ-beseelten Schlaumis, deren Hände niemals ruhen. Versuchen Sie mal, sich dem Druck zu entziehen, wenn Sie nicht als Rabenmutter abgestempelt werden wollen.

Also habe ich in diesen Tagen selbstverständlich einen dicken, fetten Kürbis ausgehöhlt und eine Fratze hineingeschnitzt. Dabei hält das Ding nur ein, zwei Tage, sackt dann kraftlos in sich zusammen, bildet eine schimmlig-pelzige Schicht und fängt erbarmungslos an zu stinken.

Das Kürbisinnenleben habe ich zur obligatorischen Suppe verkocht. Die war allerdings nicht besonders wohlschmeckend. Und da traten sie schon auf den Plan, die Ratgeberinnen: „Hast du denn nicht den Butternut genommen? Der schmeckt super!“, wusste die eine Expertin. Die nächste schwor bei den Kürbissorten auf „Muskat“ und vielleicht noch auf „Bischofmütze“. Kopfschüttelnd nahmen sie zur Kenntnis, dass ich Dummi den ganz normalen orangefarbigen Kürbis verarbeitet habe. Aromatischeres Fruchtfleisch hätte meine Suppe im Übrigen auch nicht gerettet. Dass sie nicht so gelungen war, lag wohl eher am zu großzügigen Umgang mit Ingwer, Chili und Kurkuma.

Jetzt steht als nächste Herausforderung St. Martin an. Noch heute verfolgt mich das überhebliche Grinsen des Kollegen, als ich vor etlichen Jahren mit gekauften Lampions, den Klassikern Mond und Sonne, ankam. „Wir basteln selbst“, sagte er im Tonfall des Fachmanns, der er als Vater dreier Söhne zu sein glaubte. Womm, das saß. Als er dann noch den elektrischen Leuchtstab entdeckte, erntete ich heilloses Hohngelächter. In den selbst gebastelten Laternen seiner Sprösslinge flackerten selbstverständlich echte Kerzen. In Charlottes Kindergartenjahren war ich bei der Lampionproduktion aus dem Schneider: Das erledigten die Erzieherinnen. In der Schule ist damit leider Schluss. Die Lehrerin bastelt zur Zeit kleine Pappautos, weil in Sachkunde das Thema Straßenverkehr auf dem Programm steht.

Aber ich bin ja lernfähig und ziehe Konsequenzen aus meinen Halloween-Fehlern: Charlotte bekommt eine Kürbis-Laterne. Selbstverständlich Butternut oder Bischofsmütze. Und nach dem Umzug gibt’s eine leckere Kürbissuppe. Ohne Ingwer, Chili und Kurkuma.

Im Freiluftlabor des Britzer Gartens können am Sonntag, den 10. November zwischen 11 und 14 Uhr Rübengeister und Laternen gebastelt werden. Der dortige Martinsumzug beginnt am 11. November um 16 Uhr am Festplatz am See.

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