Zeitung Heute : Aus guten Gründen das Beste geben

Sven Meissner ist Deutschlands erster Unternehmer, der mit der Vermittlung ehrenamtlicher Helfer sein Geld verdient

Regina-C. Henkel

„Manchmal muss man jemanden umarmen, um selbst umarmt zu werden.“ Sven Meissner zitiert Lady Diana, die sich durch ihr soziales Engagement profilierte und von der Öffentlichkeit zur „Königin der Herzen“ gekrönt wurde.

Nun ist Sven Meissner alles andere als ein verklärter Royalist. Der 33-jährige Sozialpädagoge ist ein nüchtern denkender Unternehmer. Die Nächstenliebe (Englisch: Charity) von Lady Diana und das humanitäre Engagementvon Karl-Heinz Böhm, der mit seinem Projekt „Menschen für Menschen“ die Not in Äthiopien bekämpft, lieferten ihm die Geschäftsidee: Anfang des Jahres machte er sich mit „Meissner Charity Coaching“ selbstständig. Die ersten Aufträge hat er bereits erfolgreich abgewickelt. Kein Wunder. Die Geschäftsidee von Deutschlands erstem Charity-Coach ist simpel: Er berät und vermittelt Menschen, die mit ihrem Wissen, ihrem Können und ihren Erfahrungen ehrenamtlich anderen etwas Gutes tun wollen – etwa beim Roten Kreuz, bei Unicef, oder auch bei kleinen Projekten. Dabei hat Meissner aber nicht in erster Linie die Sorgen und Nöte der Organisationen im Sinn, sondern ausschließlich die Bedürfnisse seines Kunden.

Meissner geht es zunächst allein um das Wohl des potenziellen Wohltäters. Denn er weiß aus Studien des amerikanischen Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi: „Sozial engagierte Menschen leben intensiver, empfinden leidenschaftlicher und spüren in sich eine wohlige Zufriedenheit. Das sind Attribute, die uns an Verliebtheit erinnern und nachweislich durch die vermehrte Ausschüttung von Endorphinen, also körpereigenen Opiaten verursacht wird.“

Das sind Argumente, mit denen Unternehmer Sven Meissner Kunden für seine „seriöse, fachlich fundierte und diskrete Dienstleistung“ gewinnen will. Diese kostet pro Tag 480 Euro und besteht nach einem (kostenlosen) Vorgespräch aus einem so genannten Vertrauenstag, bei dem der Kunde genau über seine Wünsche und auch seine „Das-mache-ich-auf-keinen-Fall-Vorstellungen“ Auskunft gibt, sowie aus einem mehrseitigen Konzept mit konkreten Adressen und Ansprechpartnern in einer passgenauen Einsatzstelle. Dorthin werden die Charity-Helfer von Meissner sogar begleitet.

Der Charity-Coach ist davon überzeugt, dass demnächst nicht nur Privatleute seine Dienstleistung in Anspruch nehmen werden. Charity eignet sich schließlich auch als Marketing-Instrument für Unternehmen – nach dem Vorbild von Corporate Citizenship. „Allerdings nur, wenn sie klappen“, sagt Meissner und verweist auf seine langjährige Erfahrung in der Sozialarbeit: „Sich bei einer Hilfsorganisation engagieren wollen viele. Doch wer falsch eingesetzt wird, springt nach einer Woche wieder ab. Dann stehen auch die Bedürftigen wieder ohne Helfer da. Die individuellen Motive und Interessen müssen berücksichtigt werden.“

Wer individuelle Unterstützung nicht braucht oder wenig Geld hat, kann sich auch an den „Treffpunkt Hilfsbereitschaft – Die Berliner Freiwilligenagentur“ wenden. Auch dort wird beraten, wer sich ehrenamtlich engagieren will: für Menschen, im Naturschutz oder im kulturellen Bereich. Die Initiative arbeitet mit rund 180 Einrichtungen zusammen, die freiwillige Helfer suchen. Am 13. September wird der Dritte Berliner-Freiwilligen-Tag ausgerichtet.

Mehr Infos im Internet unter:

www.meissner-charity.com ,

www.corporatecitizen.de ,

http://home.snafu.de/freiwilligenagentur , www.berliner-freiwilligen-tag.de

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