Zeitung Heute : Aus „Holst am Zoo“ wird „Hanne Weiner“

Der Tagesspiegel

Von Wolfgang Hassenstein

Aus der Fußballerkneipe „Holst am Zoo“ könnte schon bald „Hanne Weiner am Zoo“ werden. Zwar wäre der neue Name etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn alles klargeht, bleibt eine der wichtigsten Institutionen der Berliner Fußballszene weitgehend unverändert erhalten.

Das weit über Berlin hinaus bekannte Lokal wechselt den Besitzer: In den nächsten Tagen soll der Mietvertrag mit der IVG Immobilien GmbH unterschrieben werden, der Eignerin des Botag-Hauses beim Bahnhof Zoo. Der zukünftige Betreiber wird wahrscheinlich wie sein Vorgänger eine Hertha-Legende sein. In den Jahren 1972–79 stand Hans Weiner, genannt „Hanne“, in 218 Bundesliga-Spielen für Hertha auf dem Platz. Auch an dem UEFA-Cup Halbfinale gegen Roter Stern Belgrad nahm Weiner teil. Und jetzt will er die Kneipe des Ex-Hertha-Präsidenten Wolfgang Holst übernehmen.

Holst gibt im Juli auf, „aus biologischen Gründen“, wie er selbst formuliert, denn er feiert demnächst seinen 80. Geburtstag. An der Suche für einen Nachfolger war er selbst beteiligt. Schließlich hatte er großes Interesse am Erhalt des traditionsreichen Sportlerlokals. „Wir haben hier Erinnerungen aus 90 Jahren Fußballgeschichte gesammelt“, sagt Holst. „Mannschaften und Delegationen aus allen Ländern Europas, aus Brasilien, Argentinien und Australien haben uns besucht. Es sind Geschenke von Real Madrid, Manchester United und vom FC Barcelona zu sehen. Es ist eine Art Fußballmuseum.“

Zeitweilig stand das Fortbestehen der Berliner Institution aber auf der Kippe. „Anfangs waren die Mietforderungen des Eigentümers zu hoch“, sagt Hanne Weiner. In die Verhandlungen über die Zukunft des „Holst am Zoo“ habe sich daraufhin sogar Peter Struck, der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, eingeschaltet. Die Mietforderungen wurden beinahe um die Hälfte gesenkt.

Fußball-Veteran Weiner, der mit Bayern München zweimal Deutscher Meister wurde, ist kein Neuling in der Gastronomie: Der gelernte Koch betreibt mit seiner Familie ein kleines Hotel, den „Tegeler Hof“. Wenn er das „Holst am Zoo“ übernimmt, rechnet er damit, einiges investieren zu müssen. Die Räume sollen renoviert werden, auch in der Küche sind Veränderungen vorgesehen, eine Behindertentoilette ist geplant. „Aber der Charakter soll erhalten bleiben. Es wäre doch dumm, hier was anderes zu machen“, sagt Weiner. „Wenn Freunde zu einem Pokalspiel nach Berlin kommen, gehen wir erstmal zu ,Holst am Zoo‘.“

Im Juli soll die Neueröffnung dann kräftig gefeiert werden. Wenn nichts dazwischenkommt, wird sich dann auch einige FußballProminenz einfinden: So werde unter anderen Uwe Seeler erwartet.

Sorgenkind der Stadtplaner

Viele Mieter verlassen das Botag-Haus am Zoo, nächstes Jahr ziehen Rucksacktouristen ein

Im Botag-Haus gegenüber vom Bahnhof Zoo, das Charlottenburger Bezirkspolitikern seit langem Sorgen bereitet, stehen einige Veränderungen an. Heute wird die Disco „Latino Live“ geräumt: Der Mietvertrag mit dem Betreiber Hans-Joachim Haußner war von der IVG Immobilien GmbH, der Eigentümerin des Gebäudes, gekündigt worden. Grund dafür war regelmäßiger „Stress mit der Polizei“, so Christian Pietz, Rechtsanwalt der IVG. In und vor der Disco wurden Drogen gehandelt, oft gab es Schlägereien. Wegen Mietschulden wurden zudem die Verträge für Haußners Pressecafé und seinen Zeitungsladen gekündigt. Auch Aldi und Schlecker ziehen aus.

Im größten Teil des Gebäudes will A & O Backpackers ab 2003 ein Hotel für Rucksacktouristen eröffnen. Was außer „Holst am Zoo“ und der dazugehörigen Spielhalle ins Erdgeschoss soll, ist unklar. Ein Antrag für eine weitere Spielhalle soll vorliegen, sie ist jedoch vom Bezirks-Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler unerwünscht. woha

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