Zeitung Heute : Aus in der Endrunde: Leichtathletik-WM nicht in Berlin

Der Tagesspiegel

Von Katja Füchsel und Stephan Wiehler

Der Sieger heißt Helsinki. Die Niederlage Berlins im Rennen um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2005 hat bei den Verlierern die Stimmung gedrückt. „Wir sind enttäuscht“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Sonntag. Er hatte die deutsche Delegation zur Endausscheidung nach Nairobi geleitet. Auch Sportsenator Klaus Böger zeigte sich enttäuscht. „Wir haben eine exzellente Bewerbung abgegeben.“

Die Chancen Berlins standen mit dem 2005 komplett modernisierten Olympiastadion nicht schlecht. Als weiteres Plus gegenüber anderen Mitbewerbern galt auch, dass Berlin schon jetzt 60 000 Hotelbetten vorweisen kann, in drei Jahren noch 8000 mehr haben wird und bereits die Hotels für 3000 Athleten und Offizielle sowie 3000 Medienvertreter geblockt waren. Die Athleten sollten im Neuköllner Hotel Estrel untergebracht werden.

„Für die Sportstadt Berlin ist die Entscheidung eine Katastrophe", sagte Michael Borgis, sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Wir bauen eines der modernsten Stadien der Welt und bekommen die WM nicht." Borgis nannte den Insolvenzantrag der Istaf als einen möglichen Grund. „Das hat sicher eine Rolle gespielt. Die Frage ist, ob der Regierende Bürgermeister nicht seinen Einfluss hätte geltend machen können, damit der Antrag vielleicht erst nach der Entscheidung in Nairobi gestellt worden wäre." Nach Ansicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden Frank Steffel sollten Berlin und Brandenburg die Bewerbung Leipzigs für die Olympischen Sommerspiele 2012 aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten unterstützen.

„Das ist schade, aber es ist immer klar gewesen, dass wir starke Mitbewerber hatten“, sagte PDS-Fraktionschef Harald Wolf. „Berlin hatte eine Chance, aber keine Garantie, die Leichtathletik-WM auszutragen. Ich denke aber, wir können mit der Fußball-WM 2006 zeigen, dass wir internationale Wettbewerbe gut austragen können.“

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner forderte eine „konzertierte Aktion“ von Wirtschaft, Verbänden und Politik, um künftig hochrangige Sportveranstaltungen nach Berlin zu bekommen. „Der Senat kann es alleine offenbar nicht.“

Beim Council des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF hatte Berlin mit Helsinki und Budapest die letzte Runde erreicht. Mit der Niederlage dürfte der Stadt die hochkarätigste Sportveranstaltung seit der Olympiade 1936 verlorengegangen sein. Wowereit sagte, er wolle sich die Option für eine erneute Bewerbung für eine Leichtathletik-WM offen halten.

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