• Aus Rückschlägen lernen: Über die Selbsterfahrung eines Gründungs-Unternehmers für eine Internet-Stellenbörse

Zeitung Heute : Aus Rückschlägen lernen: Über die Selbsterfahrung eines Gründungs-Unternehmers für eine Internet-Stellenbörse

Gisela Hagemann

Gründer sind die neuen Helden der Nation. Doch viele erwachen jäh aus ihrem Gründungsrausch. So mancher Einzelkämpfer fühlt sich von den vielfältigen Anforderungen, die gleichzeitig an ihn oder an sie gestellt werden, hin und hergerissen. Ähnlich geht es Freiberuflern und kleinen Unternehmen. Sie verfügen in der Regel über hoch spezialisiertes Know-how in einer eng umgrenzten Nische. Der Kunde verlangt jedoch zunehmend Komplettlösungen aus einer Hand. So machen die großen Firmen das Rennen um die heiß begehrten Aufträge.

Dem will die Businessbörse www.abori.de Rechnung tragen. Sie bietet Selbstständigen und kleinen Unternehmen die Möglichkeit, ihre Leistungen - zur Zeit noch kostenlos - in das Internet zu stellen. Sie sparen Geld für Werbung und können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Zur Zeit haben 900 Inserenten davon Gebrauch gemacht.

Neben der Vermittlung von Aufträgen ist es ein weiteres Ziel von ABORI, Kooperationen und Beteiligungen anzubahnen. Wenn viele kleine Selbstständige ihre Kräfte bündeln, können sie gemeinsam groß am Markt auftreten. Die Dienstleister-Börse hilft außerdem bei der Suche nach einem Nachfolger oder Käufer für eine Firma.

"Im Internet gibt es Jobbörsen und Produktbörsen. Warum nicht eine Arbeitsbörse für Dienstleister etablieren?" begründet Rolf Kuhlmann seine Initiative zum Aufbau eines B-2-B-Marktplatzes für Selbstständige. Er hat die Höhen und Tiefen der Existenzgründung am eigenen Leib erlebt. Für das junge Internet-Milieu mit 41 Jahren schon ein Opa, ist Ex-Banker und Kommunikationstrainer im vergangenen Jahr von Frankfurt nach Berlin umgezogen, um in der "unkonventionellsten Stadt Deutschlands" sein Unternehmen zu gründen. Der Name ABORI kam ihm beim Frühstücken. "ABORI beginnt mit A, was die Chance erhöht, in den Suchmaschinen gefunden zu werden. ABORI erinnert außerdem an die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, also etwas Bodenständiges."

Doch zwischen Idee und Wirklichkeit liegt harte Arbeit, Ausdauer und die Fähigkeit, aus Rückschlägen zu lernen. Zusammen mit zwei Hamburger Kollegen gründete er eine GbR. In monatelanger Gratisarbeit entwickelten die Drei eine Datenbank. Es fanden Gespräche mit diversen Venture Capital-Gesellschaften statt. Der Durchbruch schien in greifbarer Nähe, als ABORI einen Preis beim Gründungswettbewerb Multimedia des Bundeswirtschaftsministeriums gewann. Doch dann sprang ein Mitstreiter plötzlich ab und ging seine eigenen Wege. Nun muss auch das Kernteam neu formiert werden: ein Problem für potenzielle Kapitalgeber. Denn während in der IT-Szene vor kurzem noch getuschelt wurde, dass es mehr Venture Capital gebe als gute Ideen, sind die Risikokapitalgeber inzwischen kritischer geworden. Sie verlangen nicht nur eine bahnbrechende Idee und einen ausgefeilten Business-Plan, sondern auch ein Team, das gemeinsam durch Dick und Dünn geht. Für Gründer, die schon jahrelang an einer Hochschule zusammen gearbeitet haben, ist dies seltener ein Problem. Man kennt sich eben. Für Zugereiste in einer fremden Stadt ist es weitaus schwieriger, Mitarbeiter mit dem richtigen Know-how zu finden, die darüber hinaus auch auf der persönlichen Schiene zueinander passen.

Der nächste Schritt ist deshalb der Aufbau eines Teams, das Venture Capital Gesellschaften überzeugt. Gesucht werden engagierte Unternehmertypen als Mitarbeiter oder Partner in den Bereichen Online-Redaktion, Customer Relationship Management, Datenbankprozesse und Programmentwicklung, Marketing und kaufmännische Funktionen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben