Zeitung Heute : Ausbildung im Tele-Verbund

Regina-C. Henkel

Von Berlin aus wird ein Angriff auf den immer schlechter werdenden Ruf als Ausbildungsnation gestartet. Mit den beiden Zauberwörtern "bedarfsoriente Ausbildung" und "virtueller Ausbildungsverbund" will ein Modellversuch mit der Bezeichnung "LiviA" Aufsehen erregen und aus dem gesamten Bundesgebiet möglichst viele Teilnehmer gewinnen. Die Rede ist von einem Versuch, die Ausbildungsqualifikation der Nachwuchskräfte in kleinen und mittelständischen Unternehmen mittels einer Telekooperation zu verbessern. Berufliche Ausbildung soll nicht mehr nur an traditionellen Lernorten wie Betrieb oder Berufsschule stattfinden, sondern auch im Internet.

Das World Wide Web (WWW), so glauben die Initiatoren des Modellversuchs LiviA (Lernen im virtuellen Ausbildungsverbund), ist für bestimmte Ausbildungsberufe und -inhalte genau der richtige Ort. Außerdem sind die Initiatoren - die Plan B Gesellschaft für berufliche Bildung in Kreuzberg, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesinstitut für Berufliche Bildung (bibb) - davon überzeugt, dass Lernen via Internet auch soziale Bildungselemente beinhaltet.

Die Gesellschaft für berufliche Bildung in der Skalitzer Straße betreut den Modellversuch seit Anfang des Jahres. Günther Hartmann, wissenschaftlicher Leiter des Projekts, meint: "Aus dem Internet ergeben sich Anforderungen an das Bildungssystem, denen wir uns nicht entziehen können." Seine Antwort heißt Telekooperation. Im Fall von LiviA bedeutet das, dass Betriebe mit Auszubildenden in den Disziplinen IT-System-Elektroniker, IT-System-Kaufmann, Informatik-Kaufmann oder Fachinformatiker zukünftig "multimediale Lernsequenzen für die neuen IT-Berufe" aus dem Internet abrufen können. Hartmann möchte "am liebsten alle Berliner Unternehmen, die in IT-Berufen ausbilden", gewinnen. Das sind nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Berlin mindestens 60 alleine in der Stadt. Aber Hartmann will noch höher hinaus beziehungsweise weiter weg. Er hat bundesweit alle Kammerbezirke angeschrieben - allerdings noch so gut wie kein Feedback erhalten. Dabei gibt es in Salzgitter einen Arbeitskreis, dem 40 Unternehmen im Kammerbezirk Braunschweig angehören und von dem wiederum die Hälfte schon jetzt in Sachen "virtueller Ausbildungsverbund" aktiv ist. Hartmann ist deshalb hoffnungsfroh, dass er auch in Berlin noch bis zum Jahresende etliche Unternehmen gewinnen kann.

Bis spätestens Mitte Dezember soll auch "die erste Lernsequenz ins Netz gestellt sein", verspricht Hartmann. Unter der Internetadresse www.mv-livia.de sind schon jetzt Informationen rund um die IT-Berufe abrufbar.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar