Zeitung Heute : Ausbildung oder nicht: Urteile zum Kindergeld

Bei Lehrlingen und Studenten ohne Einkommen ist der Fall klar: Ihre Eltern bekommen weiter Kindergeld, solange der Sohn oder die Tochter in der Berufsausbildung steckt. Wer sich nach der Volljährigkeit für alternative Formen der Berufsorientierung oder des sozialen Engagements entscheidet, hat es dagegen oft schwer. Ob sie Ausbildungscharakter haben, entscheiden oft die Gerichte.

Für eine Übergangszeit von bis zu vier Monaten – etwa zwischen Abitur und Studienaufnahme – wird das Kindergeld zunächst weitergezahlt. Auch die Vorbereitung auf das Abitur (Az.: III R 26/06) oder eine Prüfungswiederholung in Eigenregie im Rahmen der betrieblichen Ausbildung (Az.: III R 85/08) können unter Umständen den Anspruch auf Kindergeldzahlung begründen, entschied der Bundesfinanzhof (BFH).

Im Wehr- und Zivildienst wird dagegen kein Kindergeld gezahlt. Die Dienstzeit wird aber auf den Bezugszeitraum aufgeschlagen. Anders beim Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ): Hier sieht der Gesetzgeber grundsätzlich einen Kindergeldanspruch vor.

Auch Ausbildungsstationen nach einem Studium können den gesetzlichen Rahmen erfüllen: So entschied das Finanzgericht Münster, dass eine Trainee- Anstellung auch dann zur Berufsausbildung gehören kann, wenn sie an ein fertiges Hochschulstudium anschließt (Az.: 4 K 41113/07). Volontariate, Referendariate für Lehrer und Juristen, eine Promotion im Anschluss an das Studium – auch sie zählen zur Ausbildungszeit.

Als Faustregel gilt grundsätzlich: Je größer der „Entgelt-Charakter“ ist, desto schlechter sind die Chancen auf Kindergeld. Stehen dagegen soziales Engagement oder das Lernen im Rahmen einer Ausbildung im Vordergrund, sieht es besser aus. Im Zweifelsfall entscheiden die Gerichte. dpa

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