Zeitung Heute : Ausbildung: Steter Wandel

Maren Sauer

Eine Umfrage der Humboldt-Universität förderte jüngst zutage, was landläufig ohnehin vermutet wird: Die Fächer Sport und Kunst stehen in der Beliebtheitsskala bei Schülern ganz weit oben. Zweifellos bedeutet das nicht in letzter Konsequenz, dass alle, die sich in ihrer Schullaufbahn begeistert dem Zeichnen hingegeben haben, auch einen Beruf daraus machen wollen. Manche versuchen es aber doch. "Wir bekommen an die 120 Bewerbungen für unsere maximal vier Ausbildungsplätze zum Porzellanmanufaktur-Maler", weiß Helga Schumann aus der KPM-Personalabteilung. In diesem Jahr musste das Unternehmen jedoch von Neueinstellungen absehen, da die Übernahme ehemaliger Azubis Vorrang hatte. "Die Alternative wäre gewesen, sie in die Arbeitslosigkeit zu entlassen, denn hier in Berlin kann man den Beruf eben nur bei uns ausüben."

Ungleich vielfältiger ist hingegen die Auswahl für sportlich Ambitionierte, deren Perspektiven nicht zuletzt durch die Schaffung des neuen Ausbildungsberufs "Sport- und Fitness-Kaufmann / -frau" deutlich verbessert werden. Gemeinsam mit den ebenfalls frisch aus der Taufe gehobenen Berufen "Kaufmann / -frau im Gesundheitswesen" und "Veranstaltungskaufmann / -frau" sollen Defizite im kaufmännischen Dienstleistungssektor reduziert werden. Bislang kann Rainer Schöne, Bereichsleiter für Handels- und Büroberufe bei der hiesigen IHK, zwar nicht mit einer konkreten Erfolgsbilanz des Novitäten-Trios aufwarten, doch er zeigt sich durchweg optimistisch: "Wir wissen, dass viele Betriebe ausbilden wollen und gehen davon aus, dass insgesamt zwischen 100 und 150 Ausbildungsstellen geschaffen werden können."

Bis Ende Juli registrierte die Statistik des Landesarbeitsamtes 63 282 Berliner und Brandenburger Schulabgänger auf Ausbildungsplatz-Suche. "Befragt nach ihrem Wunschberuf", so der zuständige Referatsleiter Thomas Bertat, "geben die meisten Jugendlichen an, Einzelhandels- oder Bürokaufleute werden zu wollen."

Einen Bewerberüberhang verzeichnet auch das Schlusslicht in puncto Lukrativität: die Friseur-Innung. Hier werden die geringsten Ausbildungsvergütungen gezahlt. Im Westen durchschnittlich 754 Mark, im Osten 480 Mark. Ähnlich sieht die Vergütung bei Tischlern, Bäckern und Floristen aus. An der Spitze liegen die Gerüstbauer mit 1870 Mark (1684 Mark im Osten).

Üppige Job-Offerten und attraktive Gehälter bietet die Versicherungsbranche. Doch weder diese Aussichten noch eine bundesweit einheitliche Tarif-Vergütung von 1303 Mark im ersten Ausbildungsjahr vermögen das Nachwuchsproblem zu stoppen. Das gibt es auch in anderen Berufen: bei Bäckern oder Fleischern etwa. Hier sind es die unattraktiven Arbeitsbedingungen, die für einen Überhang an Ausbildungsplätzen sorgen.

Alexander Holz entschied sich nach Abitur und Zivildienst für eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, die er im Januar abschloss: Als zweitbester von 5134 erfolgreichen IHK-Prüflingen - hinter der 31-jährigen Özden Kücük, die ihre Umschulung zur Verkäuferin mit Bravour bestand. Ebenso offen wie Holz zugibt, nicht mit diesem brillanten Ergebnis gerechnet zu haben, äußert er sich zu seiner Berufswahl: "Mein Traumjob ist das nicht, aber einer, der vielfältige Kontakte mit anderen Menschen bietet und die Möglichkeit, Fremdsprachen- und EDV-Kenntnisse anzuwenden."

Praxisorientiert sind die Tipps des Ex-Azubis, der inzwischen für ein Tochterunternehmen der Daimler-Chrysler Services tätig ist und den Aufstieg in die Mutterfirma anpeilt: Eigeninitiative zu entwickeln, hält er für unverzichtbar. "Und statt den Schulstoff zu pauken sollte man lieber aufpassen, wie die Dinge im Ausbildungsbetrieb laufen. Das bringt am Ende mehr!" Für ihn hat sich das Rezept bewährt.

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