Ausbildung zum Bestatter : „Wir sind auch für die Lebenden da“

Junge Bestatter bemühen sich darum, ihr Berufsbild zu entstauben.

Elke Silberer
Azubi Maximilian Bückendorf lernt seinen Wunschberuf.
Azubi Maximilian Bückendorf lernt seinen Wunschberuf.Foto: Oliver Berg/dpa

Anna Lutter hat früher Kunst studiert. Jetzt ist sie Bestatterin. Für die 32-Jährige mit der modischen Kurzhaarfrisur ist das ein logischer Schritt: „Anfang und Ende. An diesen Themen habe ich mich im Studium abgearbeitet“, sagt die angehende Bestatter-Meisterin. Friedhöfe haben sie schon immer angezogen – die Grabsteine, Pflanzen, Tiere.

„Bestatter ist ein schöner Beruf“, sagt die zierliche Frau: Helfen, Menschen ermutigen, begleiten, das stimmt für sie. Früher hätte sie mit diesem Berufswunsch keine Chance gehabt. Da waren starke Männer gefragt, die auch mal einen 100Kilo schweren Toten aus der ersten Etage runterschleppen konnten. „Dafür gibt es ja heute Technik“, sagt der Landesinnungsmeister von Nordrhein-Westfalen, Wilfried Odenthal.

Trotzdem gebe es immer noch Betriebschefs in Deutschland mit der Einstellung „Mir kommt keine Frau ins Haus“. Aber das Klischee vom sehr ernst dreinschauenden, starken Totenträger im schwarzen Anzug wird zunehmend aufgeweicht: Jeder zweite Auszubildende sei eine Frau.

An Nachwuchs fehlt es nicht

Erst seit 2003 ist die Bestattungsfachkraft ein anerkannter Ausbildungsberuf. Themen dabei sind etwa Psychologie, Recht, Gestaltung, Versorgung des Toten und kaufmännische Grundlagen. Begegnung mit Tod und Trauer: In der Gesellschaft sind das immer noch Tabuthemen.

Trotzdem fehlt es in Deutschland nicht an Nachwuchs. Auf die bundesweit 150 Ausbildungsplätze kommen 300 Bewerber, etwa die Hälfte aus einem elterlichen Bestatterhaus. Wie Maximilian Bückendorf, akkurat frisiert, schwarzer Anzug, weißes Hemd – in Jeans schwer vorstellbar.

„Es gibt eine geringe Abbrecherquote“

Die Mutter war von seinem Berufswunsch nicht gerade begeistert, erzählt er: Der Stress der ständigen Erreichbarkeit, den hätte sie ihm gerne erspart. Der Lehrling zeigt den Ausstellungsraum mit Särgen, erklärt, warum die nur in Vierteln da stehen: Die Besucher sollen in ihrer Trauer nicht erschlagen werden.

Die jungen Leute haben sich diesen beruflichen Schritt in der Regel gut überlegt. „Es gibt eine geringe Abbrecherquote“, sagt der Sprecher des Bundesverbands der Bestatter, Oliver Wirthmann. Der Beruf erfahre eine neue Wertschätzung. Wenn Bückendorf allerdings jemanden neu kennenlernt und sagt, dass er Bestatter ist, „dann fällt erst einmal die Kinnlade runter“, sagt er. (dpa)

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