Zeitung Heute : Ausgangspunkt Russland

Der bescheidene Anfang wird immer wieder gern erzählt: Nur mit zwei Handys in der Tasche fuhren 1997 der Norweger Torstein Hagen und sein Partner Ulrich F. Baur ins russische St. Petersburg und übernahmen dort die ersten Wolga-Kreuzschiffe. "Heute gehören 28 Schiffe zu unserer Flotte. Und wir werden weiter wachsen, bis wir in den nächsten zehn Jahren 100 erreicht haben", sagt Hagen als Vorstandsvorsitzender der Viking River Cruises, die nach eigener Einschätzung europaweit größter Anbieter auf dem Markt der Flusskreuzfahrten ist.

Mit Baur, einem erfahrenen Manager von Kreuzfahrten und Hotels, und holländischem und skandinavischem Geld baute er in Russland und in der Ukraine eine Flotte von sechs Hotelschiffen auf, die außer der Wolga auch die Newa, den Dnjepr bis ins Schwarze Meer und den sibirischen Jenissej befahren. 720 russische Mitarbeiter betreuen die Passagiere. Doch der größte Coup gelang Viking, das seinen Konzernsitz inzwischen im schweizerischen Basel hat, im Jahr 2000: Die Gesellschaft übernahm die neun Flusskreuzfahrtschiffe der traditionsreichen Köln-Düsseldorfer (KD).

Damit hatten Hagen und Baur gewissermaßen im Handstreich auch die wichtigen Anlegepunkte und die Logistik entlang des Rheins, der Mosel und des Mains miterworben. Sie schufen eine neue Marke mit dem Namen Viking-KD in Köln. Finanziert wird unter anderem über die Luxemburger Viking Cruises SA durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die einen Kredit von 15 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt hat.

Viking schippert inzwischen auch auf Flüssen, die bislang überhaupt nicht oder nur sehr sporadisch befahren wurden. So durchkreuzt die "Venezia" neuerdings in Vier- bis Achttagereisen auf dem Po die Region zwischen Venedig und Cremona. Hinzu kommen Viking-Kreuzfahrten auf der Seine, der Rhône und der Gironde. Zum Kreis der Hauptkunden gehörten - bisher - auch Gäste aus den USA. Vielfach ist Englisch die Bordsprache.

Hagen will für je rund 17 Millionen Mark noch zwei Neubauten der knapp 115 Meter langen und fast zwölf Meter breiten Flusskreuzer für jeweils 150 Gäste und 35 Besatzungsmitglieder auf Kiel legen lassen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!