Zeitung Heute : Ausgebremst

Der Tagesspiegel

Hartmut Moheit über die Furcht vor Langeweile in der Forme 1

Von Michael Schumacher ist bekannt, dass er zu einem Cappuccino prinzipiell nicht nein sagt. Nur in der Ferrari-Box passt ihm das nicht. Dort lässt sich der penible Formel-1-Champion höchstens mal von Balbir Singh, seinem Fitness-Guru, ein Getränk mit geheimem Inhalten kredenzen. Für alles andere setzt sich Schumacher lieber ins rote Motorhome. Selbst in Imola, im Ferrari-Land. Dort hatten die Hauptkontrahenten bereits befürchtet, dass er im Gefühl totaler Überlegenheit von seinen Prinzipien abrücken könnte. Ihre Reaktion war eindeutig. Wie einst Hans Guck-in-die-Luft im Struwwelpeter liefen die Motorsportchefs von McLaren-Mercedes und BMW-Williams durch die Emiglia Romana, mit Blick in den regenverhangenen Himmel. Die Furcht vor Augen, dass eine feuchte Rennpiste die Überlegenheit der Roten aus Maranello, die auch beim Reifenhersteller Bridgestone erste Wahl sind, für sie ins Peinliche ausarten könnte. Dann, verkündete Mercedes-Chef Norbert Haug, könne Michael Schumacher ruhig an der Box einen Cappuccino trinken und würde immer noch gewinnen.

Das Desaster für die Silberpfeile, die Eintönigkeit über 62 Runden, gab es auch ohne Regen. Was zählt schon der eine WM-Punkt, den der selbsternannte Titel-Mitfavorit David Coulthard in Imola einfuhr? Der Schotte wurde von Michael Schumacher überrundet, das schmerzt im Schwabenland. Und auch in Bayern, wo man sich mit Ralf Schumacher und Juan-Pablo Montoya bereits auf einer Höhe mit Ferrari wähnte, wurde ein Rückstand von knapp 19 Sekunden bilanziert. Viele Fans beschweren sich schon über Langeweile. Ralf Schumacher wird in die Rolle des Weicheis gedrängt, weil er keinen Mumm zum Überholen seines Bruders habe, und Montoya, vom Boulevard als „Irrer“ niedergemacht, ist für sie offensichtlich nur als Pisten-Rambo von Interesse.

Von Michael Schumacher weiß man, dass ihn all diese Ränkespiele eher amüsieren. Höchstens mal zu einer Spitze gegen einen zu aufmüpfig werdenden Fahrer wie Montoya lässt er sich hinreißen. Ihn interessieren auch Regen oder Sonne nicht. Während andere noch zitternd zum Himmel schauen, steigt er schon selbstsicher in den Ferrari.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben