Zeitung Heute : Ausgesprochen schwierig

Anja Kühne

Die Kultusminister haben gestern die „Desi-Studie“ zu den Englisch-Kenntnissen deutscher Schüler präsentiert. Was müsste geschehen, um die Sprachkenntnisse zu verbessern?


Im Englischunterricht müssen sich Lehrer auf Schüler einstellen, die ein sehr unterschiedliches Leistungsniveau haben. Selbst innerhalb der Schularten klafft eine große Leistungsschere, wie die neue Desi-Studie zeigt, die die Kultusministerkonferenz am Freitag in Berlin vorstellte. Mit Desi (Deutsch Englisch Schülerleistungen International), der ersten großen nationalen Schulstudie, wurden die Kompetenzen von 11 000 Neuntklässlern aus 219 Schulen getestet. Zehn bis 15 Prozent der Schüler, die meisten von ihnen am Gymnasium, übertreffen mit ihren Englischkompetenzen die Anforderungen bei weitem. Doch sieben Prozent der Gymnasiasten liegen – etwa im Hörverstehen – unter dem Niveau, das die Kultusminister für den Hauptschulabschluss vorsehen. Auch an den Hauptschulen und den integrierten Gesamtschulen gibt es leistungsstarke Schüler. Doch hier müssen sich die Lehrer um besonders viele Schüler kümmern, die die Mindestanforderungen nicht erreichen: Zwei Drittel liegen darunter.

Die Schulforscher kommen zu dem Ergebnis, dass Lehrer, die ein Englischstudium hinter sich gebracht haben, gegenüber Lehrern im Vorteil sind, die Englisch „fachfremd“ unterrichten. Studierte Englischlehrer neigen eher dazu, engen Kontakt zum englischsprachigen Ausland zu pflegen. Doch an der Hauptschule gibt es 30 Prozent fachfremde Englischlehrer. 29 Prozent der Englischlehrer an der Hauptschule waren in den letzten zehn Jahren kein einziges Mal im englischsprachigen Ausland. Die Kultusminister wollen die Aus- und Weiterbildung dieser Lehrkräfte nun „gezielt verbessern“.

Denn Lehrern, die sich selbst nicht wirklich für die englische Sprache und Kultur interessieren, gelingt es schlechter, ihre Schüler zu motivieren. Doch gerade darauf kommt es an, wie die Schulforscher meinen. Die „Qualität der Interaktion“ zwischen Lehrern und Schülern sei für die Kompetenz der Schüler sogar wichtiger, als im Unterricht möglichst viele Methoden anzuwenden, wie Eckhart Klieme vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (Dipf) sagte.

Sowohl schwachen als auch starken Schülern nutzt es weiterhin, wenn die Lehrer klare Erwartungen an sie herantragen. Die Lehrer sollen „anspruchsvoll und fordernd“, aber auch „unterstützend“ auftreten. Braucht ein Schüler länger, um eine Antwort auf eine Frage zu formulieren, sollen die Lehrer Geduld haben. Meist warten sie allerdings nur drei Sekunden.

Für den Englischunterricht sind größere Klassen laut Desi ein Nachteil. In solchen Gruppen wird häufiger Deutsch gesprochen, weniger „effizient“ durch den Lehrer geführt (es gibt mehr Unterbrechungen) und „höherer Tempodruck“ erzeugt. Die Schüler großer Klassen beurteilen den Unterricht denn auch als weniger verständlich. Ein unklarer Unterricht verschärft aber den Leistungsabstand zwischen intelligenteren und weniger intelligenten Schülern (die Intelligenz wurde mit einem Test gemessen). Ein guter, „schülerorientierter“ Unterricht kann hingegen helfen, den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Leistungsentwicklung zu „entkoppeln“. Die Kultusminister gehen davon aus, dass die neuen Bildungsstandards helfen werden, klare Anforderungen zu formulieren. Im Schnitt weit überlegen sind Schüler, die einen Teil ihres Fachunterrichts in Englisch erhalten. Diese bilingualen Züge wollen die Kultusminister an den Schulen deshalb weiter ausbauen.

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