Zeitung Heute : Ausgetänzelt

Die Partei hat ihre Wahlniederlage analysiert – und hausgemachte Fehler entdeckt

$AUTHOR

Der PDS-Ehrenvorsitzende Hans Modrow sparte nicht mit Kritik – an allen Spitzengenossen. Die Art und Weise, wie die selbst ernannte „linke Kraft“ im Wahlkampf aufgetreten sei, „hatte nicht die Überzeugungskraft, um damit die eigentlich möglichen Wählerstimmen zu gewinnen“. Das vierköpfige Spitzenteam sei „eine undefinierbare Vielfalt“ geblieben und „nie zur politischen Führungsspitze eines Wahlkampfes“ geworden. Und obwohl Modrow in seiner Eröffnungsrede in Gera keine Namen nannte, leistete er sich einen Seitenhieb auf Gregor Gysi: „Wer eindringliche Warnungen in den Wind schlägt, leichtfertig durch den härtesten Wahlkampf der bundesdeutschen Geschichte tänzelt und gar von Mitregieren auf Bundesebene fabuliert, kann der Schärfe des politischen Kampfes nicht gerecht werden!“

Wahlkampfmanager Bartsch hatte in einer dem Parteitag vorgelegten Analyse des Wahldebakels eingeräumt, dass die Niederlage wesentlich hausgemacht sei. Von „mangelnder Führungsfähigkeit“ berichtete er, die mit dem Rückzug Gysis und Biskys auf dem Parteitag 2000 begonnen habe. Profil sei nicht geschärft worden, gehapert habe es bei den selbst gewählten Imagefeldern Frieden, Gerechtigkeit, Aufbau Ost. Hinzu gekommen sei „kurzfristiger Zweckoptimismus bis zu Arroganz trotz absehbarer Verfehlung der Wahlkampfziele“. Der Ausblick ist düster: „Die Parteibasis wird im Wesentlichen von Genossen im Rentenalter getragen“, analysierte Bartsch in der vom Vorstand gebilligten Vorlage. Mit dieser Altersstruktur sei verbunden, dass „in der PDS wichtige Erfahrungsbereiche aus dem Alltagsleben ausgeblendet werden“. m.m.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar