Zeitung Heute : AUSLAND

SENEGAL

Nach blutigem Wahlkampf wird heute

ein neuer Präsident bestimmt

Dakar - Nach einem blutigen Wahlkampf mit sieben Toten und zahlreichen Verletzten wird an diesem Sonntag in Senegal ein neuer Präsident gewählt. Der umstrittene Amtsinhaber Abdoulaye Wade wird von 13 Kandidaten herausgefordert. Der 85-Jährige stellt sich ein drittes Mal zur Wahl, obwohl das die Verfassung eigentlich verbietet. Das oberste Gericht des westafrikanischen Landes hatte allerdings ein juristisches Schlupfloch für den Präsidenten gefunden, der 2000, ein Jahr vor der Verabschiedung der neuen Verfassung, zum Staatsoberhaupt gewählt worden war. Das Verfassungsgericht verhinderte dagegen eine Kandidatur des weltbekannten Musikstars Youssou N’dour (52). Der populäre Popstar („Seven seconds“), der bei einer Kundgebung am Dienstag in Dakar von einer Tränengasgranate leicht verletzt wurde, hatte angeblich zu wenig Unterstützerunterschriften gesammelt. Fünf Millionen Senegalesen haben sich als Wahlberechtigte registrieren lassen. Sollte keiner der Kandidaten am Sonntag eine absolute Mehrheit erreichen, wird es im März eine Stichwahl geben. Wade gilt trotz aller Proteste als Favorit, vor allem, weil sich die Opposition auf keinen gemeinsamen Kandidaten hatte einigen können. Als relativ aussichtsreiche Bewerber gelten die beiden früheren Ministerpräsidenten Macky Sall (51) und Idrissa Seck (52) sowie der sozialistische Politiker Ousmane Tenor Diang (65). Die internationale Gemeinschaft sorgt sich nach den Ausschreitungen im Wahlkampf um den friedlichen Verlauf der Wahl in dem knapp 13 Millionen Einwohner zählenden Land, das lange als ein besonders stabiler Staat in Afrika galt.dpa

HAITI

Premierminister nach vier Monaten

im Amt zurückgetreten

Port-au-Prince - Haitis Premierminister Garry Conille ist am Freitagabend (Ortszeit) zurückgetreten. Nach lokalen Presseberichten hatte Conille seit einigen Wochen Probleme mit dem Kongress, der die Regierung wegen der angeblichen doppelten Staatsangehörigkeit von Kabinettsmitgliedern attackierte. Diese sei durch die Verfassung untersagt. Conille, ein Gynäkologe und früherer UN-Funktionär hatte das Amt des Regierungschefs erst im Oktober des vergangenen Jahres angetreten. Zuvor hatte das Parlament zwei Kandidaten von Präsident Michel Martelly abgelehnt. Dadurch war der von der internationalen Staatengemeinschaft finanzierte Wiederaufbau Haitis nicht in Gang gekommen. Im Januar 2010 hatte ein Erdbeben die Hauptstadtregion zerstört und mehr als 220 000 Menschen getötet. Die UN in Haiti bedauerte den Rücktritt Conilles. dpa

ÄGYPTEN

Islamisten gewinnen auch

Mehrheit im Oberhaus

Kairo – Nach dem ägyptischen Abgeordnetenhaus haben die Islamisten auch die Mehrheit im Oberhaus gewonnen. Die Partei der Muslimbrüder errang bei der Wahl zur Schura 105 Sitze, wie die Hohe Wahlkommission am Samstag mitteilte. Demnach erhielten die salafistische Nur-Partei 45 Mandate, die liberale Wafd-Partei 14 und der liberale Ägyptische Block acht Sitze. Weitere acht Sitze gingen an mehrere kleine Bewegungen. Bei der Wahl wurden 180 der 270 Sitze im Oberhaus vergeben. Die restlichen Mitglieder werden vom Chef des Obersten Militärrats, Hussein Tantawi, bestimmt. Im Abgeordnetenhaus verfügen die Islamisten über drei Viertel der Sitze. Beide Parlamentskammern sollen gemeinsam eine Kommission zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung einrichten. Nach der Wahl eines Staatschefs, die vermutlich Anfang Juni stattfinden soll, will der seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar 2011 herrschende Militärrat seine Macht abgeben. AFP

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