Zeitung Heute : Auslandseinsatz für eine bessere Zukunft

Emma Krug

Der Gestank von Gegorenem liegt in der Luft. Spielende Kinder und Hunde toben - Staub wird aufgewirbelt. Schauplatz ist eine Recyclinghalle in Chapec, Brasilien, in der Frauen bei 30 Grad Hitze Kunststoffe, Aluminium und Papier sortieren. Sie leben am Existenzminimum und sind mehr als glücklich, hier einen Job zu haben. Doreen Krüger, 30 Jahre alt, hat zahlreiche "Catadores" (Müllsammler), von denen es im Land rund 200 000 gibt, persönlich kennengelernt. Sie arbeitete als Stipendiatin der Carl Duisberg Gesellschaft (CDG) ein halbes Jahr im Umweltamt von Chapecó, einer 130 000 Einwohner zählende Stadt in Südbrasilien. Dort war sie für das zuständig, was hierzulande Recycling heißt. Die Wiederaufbereitung von Müll beschäftigte Krüger schon in Deutschland beruflich. Im Anschluss an ihr Studium der Angewandten Kulturwissenschaften arbeitete sie zwei Jahre als Pressereferentin für den Grünen Punkt in Köln. Ihr Arbeitgeber reagierte "flexibel" auf ihren Wunsch, Umweltschutz in einem Entwicklungsland voranzubringen und hierfür ins Ausland zu gehen.

Krüger packte im März 2001 den Rucksack und flog nach Sao Paulo. Sie wusste: "In Brasilien ist das Müllproblem in den vergangenen Jahren enorm angewachsen. Ein Kollaps kann nur durch Recycling abgewendet werden." Und genau das war die Herausforderung fürdie 30-Jährige: "Ich wollte wissen, wie die Brasilianer mit ihrem Müllproblem umgehen und mit Rat und Tat aus dem Recyclingland Deutschland helfen". Oft hat sie mit ihrer brasilianischen Gastfamilie, mit Kollegen und Freunden über Umweltschutz, Brasilien und Deutschland diskutiert. Bemerkenswert findet Krüger, wie oft sie gefragt wurde, wie Recycling in Deutschland funktioniert. Ihr Resümee nach dem Auslandsaufenthalt: "Ressourcen sind endlich und wir müssen sie gemeinsam bewahren."

Als Frau hatte Doreen Krüger in Brasilien keine Akzeptanzprobleme. Ihre Erfahrung: "Frauen aus Europa dürfen anders sein und von denen lassen sich die brasilianischen Männer fachlich auch schon mal beraten."

Neben einer neuen Sprache hat Krüger viel vom "jeithino brasileiro", dem brasilianischen Improvisationstalent, gelernt. Ihren Blick für globale Herausforderungen und deren Lösungen hat sie geschärft - und auch in Zukunft bleibt sie mit ihren brasilianischen Kollegen, die weiterhin Wertstoffe für eine bessere Zukunft sortieren, in Kontakt.

Seit Februar 2002 arbeitet Doreen Krüger wieder als Pressereferentin und informiert über Recycling, Umweltschutz sowie das Unternehmen mit dem Grünen Punkt - nun noch stärker als vor dem Auslandseinsatz unter dem globalen Aspekt.

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