Zeitung Heute : "Auslandsreisekostenpauschale": Wie der Trip nach New York Steuern sparen kann

Thomas Kärst

Ob das exotische Hotel in Dubai oder das gute schweizerische Essen: Ausgerechnet bei der Steuererklärung wird manche Reiseerinnerung neu geweckt. "Auslandsreisekostenpauschale" heißt das Wortungetüm, mit dem deutsche Finanzämter die Fernreisen aus dienstlichem Anlass steuerlich begünstigen. Seit dem 1. Januar gelten neue Pauschbeträge, aufgeführt auf einer Liste des Bundesfinanzministeriums. Die neuen Beträge für Länder von Ägypten bis Zypern "berücksichtigen veränderte Hotelpreise und Wechselkurse", erläutert eine Ministeriumssprecherin in Berlin.

Gestiegen sind etwa die Pauschbeträge, die ein Geschäftsreisender für eine Reise nach New York von der Steuer absetzen kann. Mit bis zu 1150 Mark können Kosten für eine viertägige Reise in die US-Metropole jetzt geltend gemacht werden, im Vorjahr waren es nur 1070 Mark. "Bis zur gesetzlichen Pauschale sind die Aufwändungen steuerfrei", sagt Sabine Knöfel von dem Unternehmen ClassWare in Freiburg, das unter der Internet-Adresse www.reisekosten.de Software für Reisekostenabrechnungen anbietet.

Nach Berechnungen der Tourismuswirtschaft steigt die Tendenz zur Geschäftsreise weiter. Mehr als 150 Millionen Mal sind die Bundesbürger im Jahr dienstlich unterwegs, zitiert Sabine Knöfel einschlägige Studien. Neun Millionen Geschäftsreisen führten deutsche Manager, Beamte und Wissenschaftler dabei ins Ausland. Eine durchschnittliche Reise ins europäische Ausland kostet dabei rund 2200 Mark, Reisende nach Übersee geben rund 7500 Mark pro Geschäftsfahrt aus.

Mit der im Internet veröffentlichten Liste des Finanzministeriums (unter der Adresse www.bundesfinanzministerium.de in der Rubrik "Fachabteilungen/Info" mit den Unterrubriken "Besitz- und Verkehrsteuern" - "Neue Beiträge") kann man sich auch selbst einen Überblick über die möglichen Freibeträge verschaffen. Für eine dreitägige Reise nach Warschau etwa sind bis zu 568 Mark absetzbar. Darin enthalten sind zwei Übernachtungspauschalen zu je 200 Mark sowie ein 24-stündiger Verpflegungstag zu 72 Mark. Hinzu kommen An- und Abreisetag. Bei mindestens jeweils 14 Stunden Abwesenheit sind 48 Mark pro Tag absetzbar, bei wenigstens acht Stunden immer noch 24 Mark. Allerdings gilt: Bei Übernachtungen ist auch ein Einzelnachweis der Kosten möglich.

So machten die meisten Reisenden zwar beim Finanzamt für das Hotelbett nur den Pauschbetrag geltend. Es lohne sich jedoch, genau zu prüfen, ob die tatsächlichen Übernachtungskosten nicht höher liegen: "Wenn eine Pauschale von 60 Mark vorgesehen ist und Sie haben eine Rechnung von 100 Mark, sollten Sie die natürlich einreichen", sagt Armin Paulus vom Steuerzahlerbund Baden-Württemberg in Stuttgart. Die vom Finanzministerium berechneten Übernachtungspauschalen seien allerdings "nicht unrealistisch".

Anders sieht es laut Paulus mit den Verpflegungspauschalen aus. "Sie sind in vielen Fällen zu niedrig", kritisiert der Steuerreferent. Einzelnachweise würden, anders als bei Übernachtungen, seit 1996 von den Finanzämtern nicht mehr anerkannt. Insgesamt hält Paulus die Finanzbehörden jedoch für kooperativ: "Probleme gibt es vielleicht, wenn Sie eine Rechnung auf Chinesisch einreichen."

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