Zeitung Heute : Ausstattung: ungenügend

Alte Computer, kein Internetzugang, unwissende Lehrer: Da brauchen viele Schulen brauchen Nachhilfe. Ein Fall für Schulcoaches

Catrin Krawinkel

Silke Schuster erteilt Nachhilfe. Nicht Schülern, sondern Schulen. Sie weiß, was ihnen fehlt – aus eigener Erfahrung: „Ich habe zwar Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt, aber wie man die Neuen Medien für seine Arbeit nutzt, eine Präsentation vorbereitet oder mit Power Point umgeht, musste ich mir nach der Schulzeit selbst beibringen“, sagt sie. Jetzt engagiert sich die 25-Jährige im vom Unternehmen Microsoft ins Leben gerufenen Schulcoach-Projekt in Mainz: Sie berät zwei Schulen vier Monate lang im Umgang mit Neuen Medien, kümmert sich darum, dass Schüler schon während ihrer Schulzeit auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Eine Herausforderung.

Die aktuelle OECD Studie „Haben Schüler das Rüstzeug für eine technologieintensive Welt?“ gibt ihr Recht: In Deutschland schneiden zwar 15-Jährige, die im Umgang mit Computern versiert sind, in wichtigen Schulfächern besser ab als ihre Mitschüler. Allerdings benutzen nur 23 Prozent aller deutschen Schülerinnen und Schüler den Computer mehrmals die Woche. Und das, obwohl die meisten Schulen mit Computern ausgerüstet sind.

Woran das liegt und wie man die Medienkompetenz der Schulen und der Lehrer verbessern kann, hat sich das Projekt „Schulcoach – Neue Medien machen Schule“ zur Aufgabe gemacht. In Kooperation mit dem Softwarehersteller Microsoft startete der Verband BildungsCent im März 2006 das neue Schulcoach Programm und schickte acht Coaches in 16 verschiedene Schulen, die aus einer Vielzahl von Bewerberschulen ausgelost worden waren. Leute wie Silke Schuster, Hochschulabsolventin in den Fächern Buchwissenschaft, Pädagogik und Zivilrecht an der Universität in Mainz.

Wie viele Computer gibt es? Welche Software nutzt die Schule? Wie kann man auch die Englischlehrerin und den Religionslehrer davon überzeugen, die Neuen Medien im Unterricht einzusetzen? Mit Checklisten ausgestattet traf Silke Schuster die Projekt-Verantwortlichen der Goethe-Grundschule in Mainz und der Gesamtschule Martin-Buber in Groß-Gerau. „Erstmal machte ich Bestandsaufnahme“, sagt sie. Ergebnis an der Goethe Grundschule, 300 Schüler, Lage mitten im sozialen Brennpunkt: technisch völlig unzureichend. „Die Computer in den Klassenräumen sind entweder nicht funktionsfähig oder viel zu langsam. Außerdem gibt es keinen Internetzugang. Und die Hemmschwelle vieler Lehrer, sich mit Computern auseinander zu setzen, ist noch sehr hoch.“ Schuster entwickelte zusammen mit der Direktorin und drei Lehrern einen mehrstufigen Plan: Aufrüstung der PCs, Verkabelung für den Internetzugang, neue Geräte, eine interne Lehrerfortbildung. Ergebnis: „Die Resonanz der Lehrer ist durchweg positiv. Auch wenn die finanziellen Mittel schwach sind und die Goethe Schule auf die Unterstützung der Stadt und der Wirtschaft angewiesen ist.“

An der Martin-Buber Gesamtschule, die 1000 Schüler aus 37 verschiedenenNationen besuchen, sahen die Grundbedingungen schon besser aus. Die Schule wird gerade saniert. Bald sollen dort vier moderne Räume mit 40 PCs zur Verfügung stehen. Allerdings möchte die Fachleiterin für Informatik, dass die Computer in möglichst allen Fächern genutzt werden. Also werden auch hier dem Lehrerkollegium interne Fortbildungen angeboten.

Noch einen Monat lang wird Silke Schuster mit den IT-Teams beider Schulen zusammentreffen. Schon jetzt ist sie ganz zufrieden mit dem Ergebnis: „Die Lehrer-Teams sind engagiert. Schüler beider Schulen, die große Sprach- und Rechtschreibschwierigkeiten haben, werden profitieren. Der Start ins Berufsleben wird für sie leichter.“ Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Schulcoaches klappt gut. „Wir haben aber festgestellt, wie schwer es ist, deutsche Unternehmen für ein Schulsponsoring zu gewinnen. Dabei müsste es der Wirtschaft am Herzen liegen, ihre zukünftigen Mitarbeiter bestmöglich ausgebildet zu wissen.“ Es gibt Bedarf. „Jede deutsche Schule könnte gut einen Berater für Medienkompetenz und einen IT-Experten gebrauchen. Außerdem benötigen die Schulen Unterstützung, was die Ausstattung und Wartung von Computern anbelangt“, sagt Silke Schuster. Und das will sie durchaus als Appell an Unternehmer verstanden wissen.

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