Zeitung Heute : Aussteigen? Oder einsteigen?

Was Experten Kleinanlegern in dieser Situation raten

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„Auf Zinsentscheidungen und Unternehmensgewinne können sich die Anleger nicht mehr verlassen“, sagt der Vermögensverwalter Jens Ehrhardt. „Das ist eine völlig neue Zeit.“ Für Anleger bedeute dies: Die Kaufenund-abwarten-Strategie ist überholt. Auch langfristig orientierte Aktiensparer müssten in Zukunft kurzfristig flexibel bleiben. Das heißt: Zwischentiefs zum Einstieg nutzen – und rechtzeitig wieder verkaufen. „Und nicht das ganze Vermögen in Aktien investieren.“

Auch Harald Albert von der Fiduka Vermögensverwaltung rät nach dem Absturz unter die alten Oktober-Tiefststände zur Vorsicht. „Obwohl der Markt ausverkauft wurde, ist nach unten wieder alles offen.“ Albert zieht einen beängstigenden Vergleich: Alle 30 im Dax notierten Unternehmen hätten zurzeit einen Börsenwert von rund 340 Milliarden Euro. „Allein Microsoft ist schon 280 Milliarden Euro Wert“, rechnet der Experte vor. Heißt das für Anleger, die jetzt noch solide Aktien und Fonds haben, auszusteigen? Weder Ehrhardt noch Albert raten dazu. „Wer frisches Geld hat, sollte jetzt jeden Tag auf die Kurse achten“, sagt Albert. „Kommt es zu einem neuen starken Kurseinbruch von gut zehn Prozent bei hohen Umsätzen, dann kann man auch wieder über einen Einstieg nachdenken.“ Hier einige Empfehlungen:

Kurzfristig orientierte Anleger: Haben sie Aktien, könnten sie darüber nachdenken, sie in Erwartung noch tieferer Kurse abzustoßen. In der Regel haben kurzfristige Anleger ohnehin einen engen „Stoppkurs“ gezogen, das heißt, sie verkaufen relativ schnell, wenn die Papiere ins Minus laufen. Außerdem bauen sie „Shortpositionen“ auf, das heißt, sie spekulieren auf sinkende Kurse – durch Leerverkäufe oder Optionsscheine, deren Wert steigt, wenn die Kurse sinken. Sie steigen dabei schnell wieder aus, wenn sie eine Trendumkehr vermuten. Wenn das Tief überwunden ist, kaufen sie Aktien.

Mittelfristig orientierte Anleger: Sie warten, bis die Kurse wieder steigen und die Analysten eine Trendumkehr festgestellt haben. Sie kaufen dann Aktien. Sie verkaufen sie wieder, wenn die Bärenmarktrallye zu Ende ist, und die Kurse wieder sinken.

Langfristanleger: Sie halten weiter die Aktien, die sie bisher gehalten haben. Sie warten, bis der langfristige Abwärtstrend, der seit drei Jahren anhält, gebrochen ist und kaufen dann Aktien bewährter Unternehmen. Bis dahin halten sie ihr Vermögen in festverzinslichen Papieren oder in Gold. Zweite Möglichkeit: Sie kaufen Aktien bei Dax-Ständen unter 2500 in der realistischen Erwartung, dass sie im Laufe der nächsten fünf Jahre deutlich höhere Kurse sehen werden. mot/os

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