AUSSTELLUNG Art Biesenthal : Villa Kunterbunt

Jeden Sommer geschehen in der Villa von Michael Hecken seltsame Dinge. Plastikfolie bohrt sich plötzlich durch die Wand, ergießt sich in den Raum und macht das Erdgeschoss schwer passierbar. Farbstrudel locken ins Schlafzimmer, während im Keller ein geheimnisvolles Licht durch den Türspalt dringt. So war es jedenfalls in der Vergangenheit, nachdem sich diverse Künstler das Haus vorgenommen hatten. Das Ergebnis ist seit 2006 die „Art Biesenthal“, eine der wohl ungewöhnlichsten Ausstellungen vor den Toren Berlins: Der IT-Spezialist Hecken hat sich in Biesenthal hinter eine historische Stuckfassade jenes puristische Gebäude zum Wohnen und Arbeiten bauen lassen, das er einmal im Jahr Berliner Künstlern zur Verfügung stellt.

Diesmal sind unter anderem Katja Kollowa, Yudi Noor, Robert Barta und Gregor Hildebrandt gekommen. Nicht alle zieht es in das Gebäude, mehr und mehr wird auch das umliegende Grundstück in die verfremdende Gestaltung einbezogen. Es lauern Maulwurfshügel aus Beton, eine schwarze Grabplatte mit dem Konterfei von Gottfried Benn hängt am Schuppen, und in den Ästen eines ausladenden Baumes tanzen bunte Stofffetzen, mit denen Geister milde gestimmt werden sollen. Im Haus hat derweil Martin Flemming einen Beamer installiert, der wie ein alter Filmprojektor schnurrt und dekorative Muster auf die Wände wirft, während Alexej Meschtschanow ein kippelndes Treppchen für Sieger bereithält. Ein Zauber, der jedes Mal wirkt. Besucher dürfen allerdings nur am Wochenende kommen, weil die Räumlichkeiten an den übrigen Tagen privat genutzt werden.

Christiane Meixner

Art Biesenthal, Wehrmülweg 8, Sa 25.7. und 1.8., 14-20 Uhr

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