AUSSTELLUNG UND GESPRÄCH Ulrike Ottinger : Das Leben ist ein Freak

Sie ist die Königin der Fantasie und des Fremden. Ihr Sehnsuchtsort: China. Einen ihrer frühen Filme rund um die Abenteuer der Piratenkönigin „Madame X“ drehte Ulrike Ottinger 1977 aus Geldmangel noch auf dem Bodensee, statt im chinesischen Meer. 1985 reiste sie erstmals nach China und filmte im Rausch des Fremden eine Dokumentation die viereinhalb Stunden ohne Kommentar und Übersetzung auskommt. Ihre bildgewaltigen Filme schaffen es selten auf die große Leinwand, doch dieser Herbst steht ganz im Zeichen der Filmemacherin Ulrike Ottinger. Im September krönte ihr neuer Japan-Film „Unter Schnee“ die Asia-Pazifik-Wochen im Haus der Kulturen der Welt, im Arsenal läuft bis Januar 2012 eine Ottinger-Filmreihe, und vergangene Woche bekam sie im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k) den mit 15 000 Euro dotierten Hannah-Höch-Preis verliehen, zeitgleich startete eine Ausstellung.

Die Schau ist eine Reise zu Ottingers künstlerischen Wurzeln, ein visueller und geistiger Trip in die sechziger Jahre, in denen Ottinger in Paris studierte. Um sie herum forderten die Situationisten eine Verschmelzung von Realität und Kunst, aus Amerika schwappte die Pop-Art herüber. Während sich die Neo-Avantgarde mit Happenings und Performances von den Bildern befreite, suchte Ottinger umgekehrt den Weg ins Bild. Ihre Gemälde und Drucke aus der Pariser Zeit sind nicht minder bunt und knallig wie ihre Filme, oft in Serie montiert und bereits bestückt mit dem skurrilen Personal, das man in ihren Filmen wie „Freak Orlando“ oder „Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse“ wiederzutreffen glaubt. Birgit Rieger

n.b.k., Do 1.12., 19 Uhr, Künstlergespräch,

Ausstellung bis So 22.1.12, Di-So 12-18 Uhr,

Do 12-20 Uhr, Eintritt frei

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