AUSSTELLUNG Valie Export : Hände, die streicheln

Kurz nach dem Gallery Weekend sind die Sammler aus aller Welt schon wieder in Richtung des nächsten Kunst-Events abgereist. Was bleibt, sind einige gute Ausstellungen, die man sich nun in Ruhe ansehen kann. Die Schau „Bilder der Berühung“ der großen Provokateurin, Feministin und Körperkünstlerin Valie Export in der Galerie Zak Branicka gehört eindeutig dazu. Wie gut die Kunst der 72-jährigen Österreicherin ist, merkt man daran, dass sie sich im Reigen der ambitionierten Präsentationen, die so ein Superkunstwochenende mit sich bringt, spielend durchsetzt.

Die Ausstellung versammelt zwei Installationen, einige bekannte Videos und weniger bekannte Zeichnungen und Fotos, die sich mit dem Thema „Berührung“ beschäftigen. Trifft das nicht auf alle Experimente Valie Exports, die doch den Körper als „Leinwand“ betrachtete, zu? Nicht direkt. Aber der Aspekt der Berührung lädt Arbeiten wie eine 1994 entstandene Installation, bei der mehrere Glühbirnen unter maschinellem Getöse immer wieder in mit unterschiedlichen Flüssigkeiten gefüllte Glaskolben eintauchen, mit neuer Bedeutung auf. Licht berührt Wasser, Milch und Altöl, es kommt zu einer kurzen, sinnlichen Verschmelzung, dann folgt die Trennung. Sehr schön kommt im Galerieraum auch die Arbeit „Die un-endliche/-ähnliche Melodie der Stränge“ von 1998 zur Geltung, bei der auf einem Dutzend Bildschirmen die Bewegung eines Nähmaschinenfußes zu sehen ist – ohne Faden. Den direktesten Bezug hat natürlich das legendäre „Tapp- und Tastkino“ (Foto), eine Performance aus den sechziger Jahren, bei der Passanten durch einen Kasten Exports Brüste berühren konnten. Birgit Rieger

Zak Branicka, Lindenstr. 34-35, Kreuzberg, bis Sa 15.6., Di-Sa 11-18 Uhr, Eintritt frei

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