Ausstellung Volker Stelzmann : In jedem steckt ein Penner

Der langjährige UdK-Professor Volker Stelzmann malt Szenen aus Berlin - und geschönt ist hier nichts. Eine Ausstellung in der Galerie Poll.

Das Bild des Malers Volker Stelzmann Bild heißt "Charlottenburger, 2013". Titelgebend ist übrigens das gepflegte Ausschnauben von Rotz.
Das Bild des Malers Volker Stelzmann Bild heißt "Charlottenburger, 2013". Titelgebend ist übrigens das gepflegte Ausschnauben von...Volker Stelzmann

Man möchte mit den Menschen in Volker Stelzmanns Gemälden eigentlich nichts zu tun haben. Es geht ihnen nicht gut. Die Augen sind rot gerändert, die Haut ist grau, sie befinden sich im Kampf. Mit sich selbst, mit dem Leben, mit den Nächsten, die buchstäblich sehr dicht dran stehen, aber doch ist jeder für sich allein. Obdachlose kämpfen mit der Existenz, Berliner mit den Verheißungen des Nachtlebens. Stelzmanns oft mehrteilige Figurenkompositionen sind zwar deutlich im Hier und Jetzt verortet, nehmen aber auch Anleihen in der Bibel. Christliche Motive wie Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung tauchen als visuelle Raster auf. Das Leiden Christi ist das Leiden der Berliner.

Stelzmann, gebürtiger Dresdner, hat viele seiner Szenen in Berlin gefunden. Seit 30 Jahren lebt er hier. 1986 kam er wegen einer Ausstellung nach West-Berlin – und ging nicht zurück nach Leipzig, wo er Professor und mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet worden war. Die Figuren in seinen Bildern sahen allerdings schon damals zu zerstreut und grau aus, als dass man in ihnen glückliche Werktätigen hätte sehen können. In Berlin bekommt er eine Professur an der Universität der Künste, wo er bis 2006 lehrte und mit seiner raffinierten Art zu malen, Generationen von Künstlern beeinflusste. Wegen seines ungeschönten Blicks auf die Welt, wird er oft in eine Reihe gestellt mit Großstadtmalern wie Otto Dix, Christian Schad und George Grosz. Anlässlich des 75. Geburtstags des Künstlers zeigt die Galerie Poll nun Bilder aus seiner Leipziger Zeit sowie neue Arbeiten. Jeder kann dann selbst Vergleiche anstellen zwischen gestern und heute.

Galerie Poll, bis 9.5., Di-Sa 12-18 Uhr, Eintritt frei

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