AUSSTELLUNG„Antes. Malerei 1958–2010“ : Elementarteilchen

Horst Antes gehört zu jenen deutschen Nachkriegskünstlern, dessen Werk sich wie unbemerkt im Bewusstsein ablagert. Viele Menschen sind wahrscheinlich im Museum schon mal einem von Antes’ „Kopffüßlern“ begegenet oder auf einem Marktplatz an einer seiner Skulpturen vorbeigelaufen: flache Köpfe in Seitenansicht, oft mit bulligen Gliedmaßen, ohne Hals und Brust, vital und deformiert zugleich, bilden sie Chiffren des menschlichen Daseins. Antes’ Präsenz im Kunstbetrieb ist sicher auf die fünf Jahrzehnte seines Schaffens zurückzuführen, aber auch auf die Tatsache, dass er als Inbegriff der Beständigkeit gilt, als jemand, der sich dem Diktat des Neu-Seins in der Kunst nicht unterwirft. Der 1936 Geborene setzt stattdessen auf Spiritualität, er interessierte sich für die Riten der Hopi- und Zuni-Indianer, sammelt deren Skulpturen genauso wie geflickte Arbeitskimonos aus Japan oder alte Spielzeugroboter, Dinge, die Erfahrung und Wissen gespeichert haben.

Eine umfassende Werkschau im Martin-Gropius-Bau will zeigen, dass Antes nicht beim Kopffüßler stehen geblieben ist. Er hat seine persönliche Ikonografie stets weiterentwickelt. Neben vielen Leihgaben aus dem Ausland werden etliche noch nie öffentlich gezeigte Bilder aus dem Besitz des Künstlers Bestandteil der Ausstellung sein. Den Anfang machen die informellen, gestischen und stark farbigen Arbeiten der späten fünfziger Jahre. Dann folgen die roten Bilder („Die roten Majas“), denen eine starke erotische Ausstrahlung zugeschrieben wird. Auch wie Antes von den Kopffüßlern zu den dunklen, extrem reduzierten Haus-Bildern kam, will die Schau zeigen. Birgit Rieger

Martin-Gropius-Bau, Fr 14.6. bis Mo 16.9.,

Mi-Mo 10-19 Uhr, 10 €, erm. 7 €

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