AUSSTELLUNG„Aufbruch. Malerei und realer Raum“ : Das Spitze muss ins Eckige

Der amerikanische Künstler Ellsworth Kelly wünschte die Bilder „zur Hölle“. Und wenn die rund 30 Männer und zwei Damen, die in der Akademie der Künste in einer Ausstellung zusammengewürfelt sind, etwas gemeinsam haben, dann die Tatsache, dass sie das ebenso sahen. Etwas abbilden? Flach und brav in einen Rahmen gesperrt? Das wollten sie alle nicht mehr. Für das Publikum war das in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts durchaus ungehörig. Und auch heute dürfte es genug Menschen geben, die vier rote Flecken auf weißem Grund (Robert Ryman, 1971) nicht als Bild akzeptieren.

Der Italiener Lucio Fontana begann 1949 als einer der ersten damit, seine Bilder zu attackieren: Er ritzte sie auf oder durchstieß die Leinwand mit Locheisen, um mehr Plastizität zu erreichen (Foto). Damit inspirierte er etwa die deutsche Künstlergruppe ZERO, zu der Günther Uecker gehörte. Dieser ließ filigrane Drahtstäbe aus dem Bildträger ragen, später schlug er Nägel in die Leinwand und tut es bis heute. Dass Bilder nicht viereckig sein müssen, dass sie an der Wand schweben oder Skulptur sein können, haben Ellsworth Kelly und Frank Stella bewiesen. „Wenn alles unter Kontrolle ist, bist du nicht schnell genug“, hat Motorsportfan Stella einmal in einem Interview gesagt. Das gilt auch für Maler. Am besten gelingt das, wenn Bilder ein Eigenleben entwickeln, wie ein Werk von Gotthard Graubner aus dem Jahr 2009: Es besteht aus einem mit Watte aufgepolsterten, bemalten Viereck und dem Raum drumherum. Ein riesiger, schöner Druckknopf. Birgit Rieger

Akademie der Künste Hanseatenweg, Do 3.5., 19 Uhr (Eröffnung), Fr 4.5. bis So 1.7., Di-So 11-20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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