AUSSTELLUNGBarbara Klemm : Im richtigen Augenblick

Ein Pressefotograf muss eines können: im richtigem Moment auf den Auslöser drücken. Über das Gespür für den richtigen Moment verfügt Barbara Klemm, die von 1959 bis 2004 für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ arbeitete, in hohem Maße. Sie ist eine hervorragende Beobachterin, weiß Distanz zu wahren und trotzdem das Wesentliche einzufangen. Ihre Bilder von prägenden politischen Ereignissen in der BRD, seien es Studentenunruhen in den Siebziger Jahren, Kalter Krieg, Mauerfall oder die Ära Kohl, prägten das kollektive Gedächtnis. Der Martin-Gropius-Bau zeigt eine Retrospektive mit Arbeiten von Barbara Klemm aus fünf Jahrzehnten, die Schau ist sowohl eine Reise durch die deutsche Nachkriegsgeschichte als auch ein Blick auf die Entwicklung der Dokumentarfotografie.

Zum ersten Tag der deutschen Einheit, am 3. Oktober 1990, schoss Klemm ein Bild, auf dem die Protagonisten des Einigungsprozesses Oskar Lafontaine, Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Hannelore und Helmut Kohl, Richard von Weizsäcker und Lothar de Maizière winkend und lächelnd auf einem Balkon stehen (Foto). Der Zeitdruck, unter dem die Festlegung auf den 3. Oktober als Datum erfolgte, ist ihnen nicht anzusehen. Und doch bringt die Froschperspektive, die die Fotografin einnimmt, einiges an Ambivalenz: die stolze Riege der Einheitspolitiker , die hinter einer üppigen Blumendekoration fast versinken. Auch Klemms pointierte Portraits von Künstlern und Schriftstellern sind zu sehen sowie Ausgaben der ehemaligen FAZ-Beilage „Bilder und Zeiten“, die bis 1999 erschien. Neben Zeitgeschichte zeigt die Ausstellung also auch Zeitungsgeschichte. Birgit Rieger

Martin-Gropius-Bau, Sa 16.11. bis 9.3.2014,

Mo-Mi 10-19 Uhr, 9 €, erm. 6 €

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