AUSSTELLUNG„Believers“ : Wer’s glaubt!

„Das Recht auf Blasphemie sollte ein Menschenrecht werden. Das Recht auf den Schutz religiöser Gefühle hingegen nicht.“ So beginnt Alexander Kochs Essay zur Ausstellung „Believers“ in der KOW Galerie. Die Galerie ist dafür bekannt, dass sie systemkritische Kunst im kommerziellen Zusammenhang präsentiert, und Kurator Koch dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, auch nicht, wenn es darum geht, den Kunstbetrieb zu kritisieren.

Mit 15 Positionen aus dem Galerieprogramm wollen Koch und sein Kollege Nikolaus Oberhuber das irrationale, bedingungslose Glauben infrage stellen. Dabei geht es nicht nur um religiöse Dogmen, sondern um Fetische aller Art: Mode, Popmusik, Lifestyle, Demokratie. Glauben ist Privatsache, wer glaubt, muss Kritik aushalten, auch wenn’s wehtut – Halleluja, und das kurz vor Weihnachten. Auf einem der TV- Monitore, auch so ein goldenes Kalb unserer Gesellschaft, läuft das Punk-Gebet, für das Mitglieder der Künstlerinnengruppe Pussy Riot in Russland ins Gefängnis gingen. Auf Fotos sind Santiago Sierras „Veteranen“ aus den Kriegen in Afghanistan, Kolumbien oder dem Irak zu sehen, die mit dem Gesicht zur Wand in Ecken stehen wie Schuljungen, die sich schämen sollen. Strafe für bedingungslosen Gehorsam? So eindimensional sind die Werke der Ausstellung nicht gestrickt, spätestens bei den Aktionen von Christoph Schlingensief, dem Kathedralenbauer in Person, der an die Transformationskraft der Kunst glaubte, wird die Tautologie deutlich: Die Kunst denunziert den Glauben und und ist in ihrer bequemen Hülle der Autonomie selbst eine Art Religion. Glauben als conditio humana? Kommt und sehet selbst!Birgit Rieger

KOW, Do/Fr 20./21.12., 12-18 Uhr, dann wieder ab Mi 9.1., Eintritt frei

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