AUSSTELLUNGCyprien Gaillard : Der Kaputtmacher

Jens Hinrichsen

Wenn russische Hooligan-Gruppen aufeinander losgehen, Feuerlöschpulver eine Landschaft vernebelt oder Bürotürme einstürzen, befindet man sich womöglich in einer Arbeit von Cyprien Gaillard. Bekannt wurde der 1980 in Paris geborene Künstler, als er die Schönheit spektakulärer Gebäudesprengungen dokumentierte. Gaillard richtet den Blick auf das Scheitern der architektonischen Moderne. Als Teilnehmer der vorletzten Berlin Biennale schlug er vor, jedes anerkannte moderne Gebäude solle die Patenschaft für eines übernehmen, das es nicht in den Kanon geschafft habe und abgerissen wurde.

Hierarchien stellt Gaillard auf den Kopf. Aus dieser Offenheit für die Revision des Bestehenden schöpft sich der Realismus seiner Kunst. Die Ausstellung „The Recovery of Discovery“ dreht sich um ein Werk, das sich in einem allmählichen Zerstörungsprozess während der Laufzeit vervollständigen soll. Schließlich zählte das Kaputtmachen schon immer zu den Produktivkräften in der Kunst. Im Hintergrund der Ausstellung steht die These, dass auch im Erhalten von Monumenten ein Moment der Zerstörung steckt – indem Kulturdenkmäler in alle Welt verstreut und umgedeutet werden. Jens Hinrichsen

KW Institute für Contemporary Art, So 27.3. bis 22.5., Di-So 12-19, Do 12-21 Uhr, 6 €, erm. 4 €

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