AUSSTELLUNG„Emil Nolde malt die Frauen“ : Das andere Geschlecht

In den Berliner Cafés vor dem Ersten Weltkrieg fand Emil Nolde seine Motive. Er zeichnete, aquarellierte, malte Frauen, in langen Röcken, mit großen Hüten, vorm Sektkelch. Nur eine kurze, ergiebige Zeitspanne befasste Nolde sich künstlerisch mit der Großstadt. Später malte er Frauen in der Südsee oder Fantasiefiguren im Meer. „Noldes Frauen sind Musen und Modelle, Ehefrauen und Tingeltangel- Mädchen, Madonnen und Mütter, Engel und Dämonen, Heilige und Sünderinnen, Verführte und leidenschaftliche Verführerinnen“, so Kurator Jörg Garbrecht.

Dabei war Nolde ein braver Ehemann, er heiratete die junge Schauspielerin Ada Anfang 1902 und blieb mit ihr bis zu ihrem Tod 1946 zusammen. Umso selbstverständlicher konnte er Frauen malen, doch nicht als Verkörperungen bestimmter Rollen, sondern als Anlass für das betörende Kolorit, das ihm zeitlebens zu Gebote stand. So lässt sich zwar das „Meerweib“ von 1922 auf Noldes Beschäftigung mit dem zur Zeit seines Erwachsenwerdens höchst populären Arnold Böcklin und dessen zahllosen Nixen und Nereiden zurückführen, doch was Nolde interessiert, sind die grellroten Finger und Zehen, die er seiner Meergeborenen gibt und die so vorzüglich mit dem blaugrünen, weiß gischtenden Meer kontrastieren.

Ob es eine gute Idee ist, Noldes Bilder mit jüngeren Frauendarstellungen von Picasso bis Warhol zusammenzuführen, muss sich zeigen. Meist sind solche Kombinationen wenig fruchtbar. Die Berliner Nolde-Dependance wagt sich damit auf neues Terrain. Als ob der eigene Heros nicht selbst genug zu bieten hätte.Bernhard Schulz

Nolde Stiftung Berlin,

ab Fr 16.7., tgl. 10-19 Uhr, 6/4 €

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