AUSSTELLUNGENGerhard Richter : Farbe für alle

Erst vor kurzem lief eine Dokumentation über Gerhard Richter im Kino. In Corinna Balz’ Film darf der Zuschauer dem wohl bedeutendsten Maler der Gegenwart, der mit kontrovers diskutierten Gemälden zum Tod von RAF-Mitgliedern in die bundesrepublikanische Geschichte einging, in seinem Atelier bei der Arbeit zusehen. „Malen unter Beobachtung ist das schlimmste, was es gibt“, so Richter am Anfang des Films – er hat sich angeblich 15 Jahre lang gegen Dokumentationen aller Art gewehrt. Am 9. Februar feiert Gerhard Richter seinen 80. Geburtstag. Vielleicht auch ein Grund, warum er sich nun doch filmen ließ.

Die Neue Nationalgalerie widmet Richter, dessen „Abstraktes Bild – 849-3“ bei einer New Yorker Auktion kürzlich 20 Millionen Dollar einbrachte, eine umfassende Retrospektive, in der sowohl Ikonen wie das Bild der nackten Ema auf einer Treppe, als auch Farbtafel-Experimente aus den Sechzigern oder die berühmten Wolken- und Fensterbilder zu sehen sind. Parallel dazu zeigt das Privatmuseum des Sammlers Thomas Olbricht, Me Collectors Room, Editionen und Auflagenwerke, die Richter seit 1965 geschaffen hat – Ema ist auch als Foto-Edition unwiderstehlich. Zu sehen sind auch die Goldberg-Variationen, für die Richter Langspielplatten von Glenn Gould übermalt hat (Foto). Die erste Edition, die der ehemalige Wella-Aufsichtsrat Olbricht erwarb, war Richters nackte „Studentin“ von 1967. Von da an packte ihn die Sammelleidenschaft, heute besitzt er, bis auf zwei, alle Auflagenwerke, die Richter je gemacht hat. Birgit Rieger

Me Collectors Room Berlin, So 12.2. bis So 13.5., Di-So 12-18 Uhr, 6/4 €; Neue Nationalgalerie, 12.2. bis 13.5., Di/Mi/So 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, Fr-Sa 11-18 Uhr, 8/4 €

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