AUSSTELLUNG„Herbstsalon“ im Maxim Gorki Theater : Zerplatzte Träume

Tatjana Kerschbaumer

Erstmals wird die neue Spielzeit am Maxim Gorki Theater mit einer Gruppenausstellung eröffnet. 30 Künstlerinnen und Künstler arbeiten an historisch bedeutenden Orten die Konstrukte Nation und Identität auf. Angefangen bei der Märzrevolution von 1848, beziehen sich einige Werke direkt auf das Theatergebäude, das ursprünglich für die Berliner Sing-Akademie errichtet worden war: Dort tagte die Preußische Nationalversammlung, um eine liberale Verfassung auszuarbeiten. Der Enthusiasmus war seinerzeit fast greifbar, bis Friedrich Wilhelm IV. seinen engagierten Untertanen eine ihm genehme Version aufzwang. Dem idealisierten Gedanken von deutscher Gemeinschaft spüren nun einige Künstler nach.

Andere beziehen sich auf die dunklen Folgen des Nationalismus: etwa wenn die Vorstellung des idealen Bürgers alle ausschließt, die anders sind. Dabei gilt der Blick im Besonderen der propagandistischen Ikonografie und der ideologischen Rhetorik. Auch die Abgrenzung der Nationen untereinander wird thematisiert. Da es bei den unschönen Aspekten staatlicher Identität historisch blinde Flecken gibt, will der Herbstsalon gerade hier aufklären. So ziehen einige Werke die staatlich verordnete Erinnerungspolitik in Zweifel. Gorki-Intendantin Shermin Langhoff organisiert den Herbstsalon zusammen mit Cagla Ilk, Erden Kosova und Antje Weitzel. Ziel des Quartetts ist es, über das bisherige Wirkungsfeld hinaus einen Assoziationsraum zu schaffen. Das soll auch Berliner ansprechen, die mit dem Spielplan des Theaters nicht allzu viel anfangen können.Tatjana Kerschbaumer

Maxim Gorki Theater, Fr 8.11., 22-24 Uhr, bis So 17.11., So-Do 12-20, Fr/Sa 12-24 Uhr, Eintr. frei

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