AUSSTELLUNGherman de vries: „es ist da“ : Die Architektur der Natur

Hummeln fliegen auf diese Ausstellung. Vor dem Mies van der Rohe Haus hat der niederländische Künstler herman de vries ein kleines Feld mit Phacelia angelegt. Die Pflanzen dienen zur Bodenverbesserung. Jetzt laben sich unzählige Hummeln an ihren lila Blüten. „Refugium der Schönheit“ lautet das Jahresthema im Mies van der Rohe Haus. Im Innern des flachen Backsteinbaus verwandelt de vries Müll in Schönheit. „return of beauty“ heißt seine Sammlung von weggeworfenen Dingen, die er im Wald um sein Haus im fränkischen Eschenau gefunden hat. Sonne und Regen haben die gebleichten Plakatfetzen, plattgewalzten Aluminiumdosen, Reste von Weidedraht der Natur angeglichen.

Der 1931 in Alkmaar geborene Künstler experimentierte zunächst mit informeller Malerei und näherte sich dann Zero an, bis ihn 1970 eine Eingebung zur Kunst mit der Natur führte. Heute ist sein Atelier der Steigerwald, sein Laboratorium „die wiese“, ein sorgfältig gehegtes Biotop. Die Kleinschreibung ist dem Künstler wichtig, weil er jede Hierarchie verabscheut. Von seinen Reisen hat de vries rund 7700 Erdproben mitgebracht. Damit trägt er Rastermuster auf Papier auf. Siena, Ocker, Schlamm, die ganze Palette des Bodens. Eine Sammlung zeigt hinter Glas unterschiedliche Verzweigungen der Bäume. Mal wachsen die Triebe waagrecht, mal senkrecht. Der Zero-Künstler Heinz Mack schreibt, herman des vries mache die Architektur des Baumes sichtbar. So passen die genialen Entwürfe der Natur perfekt in Mies van der Rohes architektonische Kleinod. herman de vries zeigt die Moderne in archaischen Formen. Hummeln haben einen guten Riecher. Simone Reber

Mies van der Rohe Haus, bis So 26.9.,

Di-So 11- 17 Uhr

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